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«Ich bin rot, ich bin Labour!»

«Wir hatten Spass.» Gisela Stuart (Mitte) mit Boris Johnson und Andrea Leadsom im Londoner Wembley-Stadion (21. Juni 2016).
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BaZ: Frau Stuart, im Januar 1974 kamen Sie aus dem Land des Wirtschaftswunders in eines, in dem Mangelwirtschaft herrschte. Das muss ein ziemlicher Kulturschock gewesen sein.

Was zog Sie damals nach England?

Zuerst gingen Sie nach Manchester.

Wie war das Leben in England?

An Luxus waren Sie ja nicht gewöhnt. Sie waren in eher einfachen Verhältnissen aufgewachsen.

Ging Ihre Mutter zu Vertriebenentreffen?

Es muss ein erzkatholisches Milieu gewesen sein, in dem Sie aufwuchsen.

War es damals schwer, als Deutsche in England zu leben?

Der Krieg lag damals erst 30 Jahre zurück. Doch auch in den Neunzigerjahren war es für eine deutschstämmige Politikerin noch schwierig.

Was gab für Sie letzten Endes den Ausschlag, in England zu bleiben?

Geht es in England meritokratischer zu als auf dem Kontinent?

Sie haben einmal gesagt, wer in die Politik gehe, brauche mindestens ein Anliegen, das ihn wirklich bewege. Was hat Sie seinerzeit motiviert?

Ein eher linkes Anliegen. War immer klar, dass Sie zu Labour gehen würden?

Heute gehört Blair zu denen, die noch immer Schwierigkeiten bekunden, sich mit dem Brexit abzufinden. Damit könnte er von Ihnen kaum weiter entfernt sein. Wie kam es zu dieser Entfremdung?

Unter Ihrem heutigen, prononciert linken Chef Jeremy Corbyn hat sich die Labour-Partei in eine Richtung entwickelt, die Ihnen gar nicht gefallen kann. Was lief nach Blairs Abgang falsch?

Theresa May hat ebendies versucht: Die Konservativen sollten Labour als Arbeiterpartei ablösen. In den Wahlen schnitten sie dann allerdings enttäuschend ab. Was machten sie falsch?

Ist das Ihr Ernst?

Man könnte auch sagen, die Tories machten sich ernsthaft Gedanken über die Pflegefinanzierung und waren ehrlich zu den Leuten.

Am Ende war es doch vor allem eine Generationenfrage: Die Alten wählten nach wie vor konservativ, doch dann gingen wesentlich mehr Junge an die Urnen als erwartet und halfen Labour.

In Islington war ich mit jungen Leuten zusammen, die Corbyn verehrten und den Brexit ablehnten. Dass Corbyn ein EU-Gegner ist, war ihnen oft gar nicht bewusst. Profitierte er vom niedrigen Wissensstand seiner Anhänger?

Corbyns Wahl zum Parteichef, Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten und der Brexit, sind das Anzeichen einer Revolte gegen die Eliten?

Sie können den Brexit ja gut finden und über Trumps Wahl betrübt sein, doch dass es bei den Motiven der Wähler Überschneidungen gab, werden Sie kaum bestreiten wollen.

Die Euphorie über den Brexit war auch schon grösser. Derzeit hört man vor allem von Schwierigkeiten und Risiken.

Waren Sie überrascht, als Sie das Referendum gewonnen hatten?

Wie war das, zusammen mit Boris Johnson durchs Land zu touren? Er ist ja amüsant, aber auf Dauer stelle ich ihn mir auch anstrengend vor.

War Johnson überzeugt vom Brexit, oder spekulierte er vor allem darauf, Cameron als Premier ablösen zu können?

Nach dem Referendum wollten Gove und er auf einmal beide Premier werden. Hat es Sie überrascht, dass sie sich zerstritten haben?