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Hier wohnen die Krawallmacher

Der statistische Blick hinter die Rauchschwaden: Der «Guardian» hat 1000 Fälle von Menschen unter die Lupe genommen, die wegen Plünderung und Brandschatzung in England vor Gericht stehen.

Rote Punkte für die Wohnadressen der verurteilten Krawallmacher, weisse Punkte für die Orte der Ausschreitungen: Die Karte des «Guardian» zur Analyse der Krawalle. (Screenshot: Guardian.co.uk)
Rote Punkte für die Wohnadressen der verurteilten Krawallmacher, weisse Punkte für die Orte der Ausschreitungen: Die Karte des «Guardian» zur Analyse der Krawalle. (Screenshot: Guardian.co.uk)

Nach der Analyse von rund 1000 Fällen von mehr als 2000 Verhafteten ist für den «Guardian» klar: Die an den jüngsten Krawallen Beteiligten werden härter angefasst als für solche Vergehen üblich. Weil bisher nur wenige Urteile gefällt sind, betrifft der Befund vorerst vor allem die Untersuchungshaft. 772 von 1297 Personen, die bereits vor den Magistrates Courts, der untersten Stufe der englischen Gerichte, erschienen sind, mussten im Gefängnis bleiben. Das sind knapp 60 Prozent der Beschuldigten gegenüber nur 10 Prozent, die normalerweise bei ernsthaften Vergehen einbehalten werden.

Die Magistrates Courts haben laut dem «Guardian» bisher 80 Krawallmacher verurteilt. 56 davon, oder 70 Prozent, erhielten eine Gefängnisstrafe. Das sind weit mehr als die üblichen 2 Prozent der von diesen Gerichten Verurteilten.

Plünderer überwiegen

Mehr als die Hälfte der zu Gefängnisstrafen Verdonnerten müssen für Diebstahl oder Hehlerei im Schnitt 5,1 Monate ins Gefängnis. Das sei 25 Prozent länger als sonst bei diesem Tatbestand üblich. Für Störung der öffentlichen Ruhe waren die Haftstrafen demnach um ein Drittel, für Angriffe auf Ordnungshüter um 40 Prozent länger.

Laut dem britischen Justizministerium sind 17 Prozent der Angeklagten jünger als 18 Jahre. Der «Guardian» hatte in seiner Untersuchung nur wenige Frauen auf den Listen der Gerichte gefunden (9,2 Prozent). Nur relativ wenige Über-30-Jährige waren darunter (13,2 Prozent).

«Einmaliger Akt von Transparenz»

Die Regierung hatte die Gerichte angewiesen, sämtliche Details der Fälle im Zusammenhang mit den Krawallen publik zu machen. Der «Guardian» nennt es einen «einmaligen Akt von Transparenz». Die Namen von Minderjährigen werden nicht publiziert. Bei den Erwachsenen hingegen ist sogar die Wohnadresse einsehbar. Auf deren Publikation hat der «Guardian» aber verzichtet.

Die vielen Fälle von Untersuchungshaft liessen die Belegungszahlen der englischen Gefängnisse auf ein Rekordhoch von 86'608 Personen klettern. Laut dem Justizministerium verbleiben dem Gefängniswesen aber «substanzielle Kapazitäten», um allfällige weitere Krawallmacher zu inhaftieren. Gemäss «Guardian» werden von den Gefängnisadministrationen Notfallpläne erwartet, die unter anderem eine Überbelegung der Zellen beinhalten. Es verblieben noch 1485 Haftplätze, dann seien die Gefängnisse voll.

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