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«Handschrift von IS-Attentätern»

Terrorexperte Peter Neumann geht beim Londoner Anschlag von einem polizeibekannten Täter aus. Und er sagt, wo die Terrorgefahr in Europa am grössten ist.

Starb an ihren Verletzungen im Spital: Die 31-jährige Andreea Cristea zusammen mit ihrem Freund Andrei Burnaz.
Starb an ihren Verletzungen im Spital: Die 31-jährige Andreea Cristea zusammen mit ihrem Freund Andrei Burnaz.
Keystone
Der Attentäter soll Terroristen kopiert haben: Vor dem Westminster in London werden Blumen hingelegt und der Opfer gedacht. (27. März 2017)
Der Attentäter soll Terroristen kopiert haben: Vor dem Westminster in London werden Blumen hingelegt und der Opfer gedacht. (27. März 2017)
Matt Dunham, Keystone
Abgeordnete im House of Commons, dem britischen Parlament.
Abgeordnete im House of Commons, dem britischen Parlament.
PA/AP, Keystone
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Peter Neumann, einer der weltweit besten Terrorexperten, erkennt im Anschlag von London die «Handschrift eines Attentäters, der dem Islamischen Staat zuzuordnen ist oder zumindest vom IS inspiriert wurde». Dies sagte Neumann in einer ersten Einschätzung am frühen Mittwochabend dem Sender n-tv. Der am King's College in London lehrende Sicherheitsforscher erklärte zudem, dass die Attacke – auf Grund der Erfahrungen in den letzten zwei, drei Jahren in Europa – höchstwahrscheinlich von einer bereits polizeibekannten Person ausgeführt worden sei. Der Attentäter von London könnte also ein so genannter Gefährder gewesen sein. Oder eine Person, die sich im Umfeld von solchen gewaltbereiten Extremisten bewegt hatte.

Unmöglich, alle Gefährder zu überwachen

Wie in anderen Terror-gefährdeten Ländern Europas haben auch Grossbritanniens Sicherheitsbehörden nicht genügend polizeiliche Ressourcen, um alle Gefährder ständig zu überwachen. Die Polizei müsse andauernd Abwägentscheidungen treffen, erklärte Neumann. So könne es passieren, dass ein späterer Terrorist durch den Kontrollraster falle. Der Anschlag im Herzen von London sei zwar eine Niederlage für die britische Sicherheitsbehörden, sagte Neumann weiter. Tatsache sei aber auch, dass Grossbritannien im europäischen Vergleich am besten auf Terrorgefahr vorbereitet sei.

«Die britischen Behörden verhindern jedes Jahr im Schnitt einen grösseren Terrorakt.»

Nach den Anschlägen der al-Qaida im Juli 2005, bei denen 52 Menschen getötet worden waren, entwickelte Grossbritannien eine Strategie mit Aktionsplänen. Seither hätten die britischen Behörden jedes Jahr im Schnitt einen grösseren Terrorakt verhindern können, sagte Neumann.

Trotz Verbesserungen im Kampf gegen den Jihadismus müsse Europa lernen, mit dem Terror zu leben. «Nur weil zwei Monate einmal nichts passiert, heisst das nicht, dass die Terrorgefahr zurückgegangen ist.»

Terrorgefahr vor allem in Frankreich

Die grösste Terrorgefahr in Europa sieht Neumann in Frankreich sowie in Belgien. Aus den beiden Ländern seien die meisten europäischen Kämpfer für den IS in Syrien und dem Irak in den Krieg gezogen. Die Zahl der Auslandskämpfer sei ein guter Indikator für den Radikalisierungsgrad der islamistischen Szenen in den einzelnen Ländern. «In Frankreich ist die Terrorgefahr nach wie vor am grössten.» Bezüglich Terrorbedrohung liege Grossbritannien wie auch Deutschland im Mittefeld, sagte Neumann, der im Rahmen seiner Arbeit als vielgefragter Berater seit Anfang Jahr auch als Anti-Terror-Sonderbeauftragter der OSZE tätig ist.

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