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Guttenberg heizt Spekulationen über Comeback an

Noch vor wenigen Monaten galt Guttenberg als Buhmann einer ganzen Nation. Doch drei positive Ereignisse bringen den ehemaligen deutschen Bundesminister zurück ins Gespräch für ein politisches Amt.

Publizierte ein langes Gespräch mit Guttenberg: Giovanni di Lorenzo, Chefredaktor der Wochenzeitung «Die Zeit». (Aufnahme vom 6. Juni 2005, Hamburg)
Publizierte ein langes Gespräch mit Guttenberg: Giovanni di Lorenzo, Chefredaktor der Wochenzeitung «Die Zeit». (Aufnahme vom 6. Juni 2005, Hamburg)
Keystone
Will vorerst nicht in die Politik zurückkehren: Freiherr Karl Theodor von und zu Guttenberg.
Will vorerst nicht in die Politik zurückkehren: Freiherr Karl Theodor von und zu Guttenberg.
Keystone
Seit seinem letzten Auftritt in der Öffentlichkeit vergingen acht Monate.
Seit seinem letzten Auftritt in der Öffentlichkeit vergingen acht Monate.
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Es wirkt wie eine von langer Hand geplante Inszenierung: Zuerst kehrt Karl-Theodor zu Guttenberg in Kanada in die Öffentlichkeit zurück. Dann wird das baldige Erscheinen seines Buchs mit dem vielsagenden Titel «Vorerst gescheitert» angekündigt. Und schliesslich gibt die Staatsanwaltschaft Hof die Einstellung ihrer Ermittlungen gegen den Ex-Verteidigungsminister bekannt. Drei Ereignisse binnen weniger Tage bringen Guttenberg zurück ins öffentliche Interesse. Und mit dem Vorabdruck aus dem Buch in der «Zeit» schafft er es, die Spekulationen über sein Comeback anzuheizen: Guttenberg schliesst nichts aus - seine Fans freuen sich darüber.

Guttenberg wusste schon länger, dass die Staatsanwaltschaft ihn gegen eine Geldstrafe von 20'000 Euro aus seiner Plagiatsaffäre entlassen will. Nach Angaben des Hofer Oberstaatsanwalts Reiner Laib wurde der CSU-Mann bereits vor Wochen über die Pläne informiert. Nachdem er signalisiert hatte, diese Strafe zu akzeptieren, stellten die Ermittler einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht. Dies stimmte schliesslich vor wenigen Tagen zu - danach trat Guttenberg im kanadischen Halifax auf und liess sein Buch ankündigen. Die Geldstrafe überwies er dann zu Wochenbeginn an die Deutsche Krebshilfe, womit nun offiziell ein Schlussstrich unter die juristische Aufarbeitung der Plagiatsaffäre gezogen ist.

Verfahren zweiter Klasse

Es ist allerdings nur eine Verfahrenseinstellung zweiter Klasse. Denn die Staatsanwaltschaft fand in der Doktorarbeit des 39-Jährigen 23 Passagen, die strafrechtlich einen Urheberrechtsverstoss bedeuten. Weil der wirtschaftliche Schaden für die wahren Autoren der Passagen durch das Abschreiben jedoch «marginal» gewesen sei, beliessen es die Ermittler bei der Geldbusse.

Die Einstellung des Verfahrens löste bei Guttenberg-Fans im Internet Begeisterung aus. In zwei Facebook-Foren mit den eindeutigen Titeln «Wir wollen Guttenberg zurück» und «Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg» sehen dutzende Anhänger nun den Moment für das Comeback gekommen. «Hoffentlich ist er bald wieder da» oder «Das freut mich aus tiefstem Herzen» heisst es auf den Kampagnen-Seiten, die zusammen fast 900'000 Unterstützer haben.

Guttenberg hält Kandidatur offen

Noch mehr dürften sich die Fans über das freuen, was Guttenberg dem «Zeit»-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo bei dem in einem Londoner Hotel geführten Gespräch gesagt hat, das nun als Buch erscheinen soll. Guttenberg hält sich nach dem Verzicht auf alle Ämter nun eine Kandidatur bei der Bundestagswahl 2013 wieder offen. «Ich schliesse nichts aus, aber es gibt bislang keine konkrete Intention. Aber ich werde mit Sicherheit in mein Heimatland zurückkehren und ein politischer Kopf bleiben», sagte Guttenberg.

Dabei gab er eine Beschreibung der politischen Landschaft in Deutschland, bei der im Unterton mitschwingt, dass seiner Ansicht nach genau so ein Typ wie er derzeit fehlt: «Den Menschen mangelt es in der Politik generell an Köpfen, die für gewisse Inhalte stehen. Die bereit sind, für Inhalte zu streiten, und nicht die Segel streichen, wenn der Wind mal sehr eisig bläst», sagte Guttenberg - wohl wissend, dass viele ihn bis heute wegen seiner harten Haltung als Wirtschaftsminister bei der Opel-Rettung schätzen und bewundern, wie er das Ende der Wehrpflicht durchgesetzt hat.

Doch die Frage ist nun, ob die CSU ihren abgestürzten Überflieger überhaupt noch zurück will. «KT» sei zwar «herzlich willkommen», sagte CSU-Chef Horst Seehofer in einer ersten Reaktion im Bayerischen Rundfunk. Aber: «Im Moment arbeiten und planen wir mit den Persönlichkeiten, die Tag für Tag und rund um die Uhr für die politische Familie der CSU unterwegs sind.» Und hinter verschlossenen Türen sagte Seehofer vor der Landtagsfraktion, er sehe seine Partei auch ohne Guttenberg gut aufgestellt.

AFP/mrs

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