Zum Hauptinhalt springen

«Gucci-Helle» lächelt sich an die Spitze der Macht

Helle Thorning-Schmidt mauserte sich vom vermeintlich harmlosen Modepüppchen zur neuen Regierungsschefin Dänemarks. Die 44-Jährige pflegt zudem eine spezielle Beziehung zur Schweiz.

Gilt als überzeugende Rednerin: Helle Thorning-Schmidt.
Gilt als überzeugende Rednerin: Helle Thorning-Schmidt.
Keystone
War seit dem Jahr 2005 Parteivorsitzende der dänischen Sozialdemokraten.
War seit dem Jahr 2005 Parteivorsitzende der dänischen Sozialdemokraten.
Keystone
Ehemann Stephen Kinnock verbringt als einer der Direktoren des Weltwirtschaftsforums die meiste Zeit in der Schweiz.
Ehemann Stephen Kinnock verbringt als einer der Direktoren des Weltwirtschaftsforums die meiste Zeit in der Schweiz.
Keystone
1 / 3

Als Helle Thorning-Schmidt 2005 Parteivorsitzende der dänischen Sozialdemokraten wurde, galt sie noch so manchem als harmloses Modepüppchen. Ihre Vorliebe für Designerkleidung und edle Accessoires brachte ihr den Spitznamen «Gucci-Helle» ein.

Heute stellt niemand mehr die Führungsqualitäten der 44-jährigen Politikerin infrage. Nach dem Wahlsieg des «Roten Blocks» am Donnerstag dürfte Thorning-Schmidt die erste Ministerpräsidentin Dänemarks werden. Mittlerweile verfügt sie über viel Erfahrung im politischen Geschäft. Thorning-Schmidt gilt als überzeugende Rednerin und hat die Medien im Wahlkampf mit Scharfsinn und einem entwaffnenden Lächeln für sich eingenommen.

Der Aufstieg der künftigen Regierungschefin wurde zunächst jedoch von einer herben politischen Niederlage überschattet. Bei der ersten Parlamentswahl unter der Parteivorsitzenden Thorning-Schmidt mussten die Sozialdemokraten 2007 mit 25,5 Prozent das schlechteste Wahlergebnis seit einem Jahrhundert hinnehmen.

«Die Dänen benötigen noch mehr Zeit, um uns die Verantwortung zu übertragen», sagte sie damals. Es brauchte vier weitere Jahre und eine schwere Wirtschaftskrise, bis Thorning-Schmidt ihr Ziel erreichte.

Sozialdemokraten trotz Mandatsverlust Wahlsieger

Ironischerweise verloren die Sozialdemokraten am Donnerstag sogar ein Mandat, die Gewinne der anderen Parteien in dem Mitte-links-Bündnis kompensierten diesen Verlust jedoch. «Die Sozialdemokraten sind bereit, ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen», sagte Thorning-Schmidt vor ihren Anhängern. «Wir werden unser Äusserstes tun, um dem Vertrauen gerecht zu werden.»

Angesichts einer schwächelnden Binnenwirtschaft und der europäischen Schuldenkrise bleibt abzuwarten, ob Thorning-Schmidt ein besserer Lotse durch unsichere Gewässer sein wird als der bisherige Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen.

Thorning-Schmidt ist die erste Parteivorsitzende der Sozialdemokraten und wird der erste weibliche Regierungschef in Kopenhagen. Angesichts der langen dänischen Tradition in Fragen der Gleichberechtigung hält sie das jedoch für keine grosse Sache. «Ausser vielleicht für junge Mädchen, die jetzt sagen können: ‹Das ist ein Amt, das ich anstreben könnte›», sagte Thorning-Schmidt kürzlich in einem Fernsehinterview.

Sie sei immer jemand gewesen, der Entscheidungen treffen wolle. In ihrer Jugend habe sie sich aber eher eine Karriere als Hotelmanagerin ausgemalt, sagte sie. An der Spitze der dänischen Regierung habe sie sich lange Zeit nicht gesehen.

Verheiratet mit dem Sohn des ehemaligen britischen Labour-Chefs

Thorning-Schmidt machte 1994 an der Universität Kopenhagen einen Master-Abschluss in Politikwissenschaften. Zwei Jahre später heiratete sie Stephen Kinnock, den Sohn des ehemaligen Vorsitzenden der britischen Labour-Partei, Neal Kinnock.

Sie lebt mit ihren Töchtern, der 14-jährigen Johanna und der elfjährigen Camilla, in einem Reihenhaus im Norden Kopenhagens. Ihr Ehemann verbringt als einer der Direktoren des Weltwirtschaftsforums die meiste Zeit in der Schweiz.

Einmal wäre Thorning-Schmidt beinahe über diese getrennten Wohnungen gestolpert. Die dänische Steuerbehörde ermittelte gegen das Paar, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, Kinnock habe falsche Angaben über die Dauer seiner Aufenthalte in Dänemark gemacht. Thorning-Schmidt räumte Fehler ein, und die Steuerhinterziehungsvorwürfe wurden fallen gelassen.

dapd/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch