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Griechen bunkern Milliarden in der Schweiz

Trotz Appellen der griechischen Regierung überweisen viele Griechen erhebliche Summen ins Ausland – selbst Parlamentarier. Dabei scheint die Schweiz ihre bevorzugte Adresse zu sein.

Er fordert eine «nationale Bewegung» zur Rückführung von Geld aus dem Ausland: Evangelos Venizelos, Griechenlands Finanzminister.
Er fordert eine «nationale Bewegung» zur Rückführung von Geld aus dem Ausland: Evangelos Venizelos, Griechenlands Finanzminister.
Keystone

Im Kampf gegen Steuerhinterziehung hat das hochverschuldete Griechenland vergangene Woche erstmals ein ins Ausland verschobenes Millionenvermögen blockieren lassen. Dabei geht es um knapp 160 Millionen Euro, die der bekannte Athener Geschäftsmann Lavrentis Lavrentiadis auf Schweizer Konten transferierte. Gemessen am Gesamtvolumen griechischer Vermögenswerte in der Schweiz sind die Lavrentiadis-Millionen «Peanuts», wie die «Financial Times» berichtet.

«Die kühnsten Schätzungen, wie viel Geld Griechen in der Schweiz gebunkert haben und wie viel davon zu Hause dem Fiskus entzogen wurde, reichen bis zu 200 Milliarden Euro.» Allein seit dem Jahr 2009 sollen gemäss dem Finanzministerium in Athen rund 65 Milliarden Euro von den griechischen Banken abgezogen worden sein. Die Gelder seien insbesondere zu Schweizer und britischen Finanzinstituten verschoben worden.

Steuerabkommen mit der Schweiz kommt nur langsam voran

Angesichts des Schuldenschlamassels ist die griechische Regierung gewillt, die dem Fiskus entgangenen Gelder aus der Schweiz und anderen Ländern zurückzuholen. Dazu müssten sich Griechenland und die Schweiz auf ein Steuerabkommen einigen. Ein solches Abkommen soll ähnlich aussehen wie jenes mit Deutschland.

Die Verhandlungen mit der Schweiz kommen jedoch nur langsam voran. Was vor allem an den Griechen liegt, wie die «Financial Times» meint, da sie die nötigen Fachleute nicht hätten. «Bis ein Steuerabkommen über eine effektive Besteuerung griechischer Milliarden in der Schweiz in Kraft tritt, wird in der Alpenrepublik wohl nicht mehr viel zu holen sein», schreibt das Finanzblatt. Wegen der geplanten Weissgeldstrategie der Schweiz habe längst eine «Kapitalflucht» von Ausländer-Konten eingesetzt – «weg aus der Schweiz und hin zu weiter entfernten Finanzplätzen wie Singapur».

Abgeordnete als schlechte Vorbilder

Trotz Appellen der Regierung in Athen hält der Trend an, Vermögen ins Ausland zu schaffen. Nicht zuletzt gehen viele Politiker mit schlechtem Beispiel voran. Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schreibt, hat Finanzminister Evangelos Venizelos dem Parlament kürzlich berichtet, «eine bedeutende Anzahl» Abgeordneter habe hohe Beträge unter anderem in die Schweiz überwiesen – just zu dem Zeitpunkt, als Athen die Griechen aufforderte, ihr Geld im Land zu belassen, um griechische Banken nicht zu gefährden.

Inzwischen ist eine heftige Debatte darüber entbrannt, ob die Namen der Parlamentarier, die Geld ins Ausland verschoben haben, veröffentlicht werden sollen – damit alle Politiker ihre Vorbildfunktion wahrnehmen. Finanzminister Venizelos forderte eine «nationale Bewegung» zur Rückführung von Geld aus dem Ausland: «Lasst Politiker und ihre Verwandten die vorderste Reihe dieser Bewegung bilden.»

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