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Geldumschläge nach dem Abendessen

Dieser Skandal könnte Frankreich in seinen Grundfesten erschüttern. Laut einer Zeugin beschenkten die L'Oréal-Besitzer Politiker jahrelang mit Bargeld – darunter auch Nicolas Sarkozy. Und so liefen die Übergaben ab.

Frankreichs Präsident gerät wegen neuer Berichte zur Bettencourt-Affäre unter Druck.
Frankreichs Präsident gerät wegen neuer Berichte zur Bettencourt-Affäre unter Druck.
Reuters
Zwei Freunde an der Macht: Nicolas Sarkozy (l.) und Budgetminister Eric Woerth.
Zwei Freunde an der Macht: Nicolas Sarkozy (l.) und Budgetminister Eric Woerth.
Keystone
In arger Bedrängnis: Hinter den Kulissen entscheidet sich das politische Schicksal von Nicolas Sarkozy.
In arger Bedrängnis: Hinter den Kulissen entscheidet sich das politische Schicksal von Nicolas Sarkozy.
Reuters
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In der Affäre um die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt soll nach Aussage ihrer früheren Buchhalterin auch der heutige Präsident Nicolas Sarkozy illegal Geldumschläge zur Finanzierung seiner politischen Karriere erhalten haben. Beweise kann die Zeugin nicht liefern, der Elyséepalast dementiert aufs Schärfste, Sarkozy spricht von «Verleumdung». Doch die Bettencourt-Affäre wird der Präsident so schnell wohl nicht mehr los.

Bis Montag war der Fall noch eine Affäre um Arbeitsminister Eric Woerth. Er steht unter Druck, seit bekannt ist, dass seine Frau für die Verwaltung des Vermögens der L'Oréal-Haupteignerin zuständig gewesen ist. Die Milliardärin soll einen Teil ihres Vermögens am Fiskus vorbei ins Ausland geschafft haben, während Woerth in seiner früheren Funktion als Haushaltsminister Steuersünder jagte. Bettencourt wurde nie behelligt. Angeblich gab es schon seit 1995 keine Steuerprüfung mehr bei ihr.

150'000 Euro für Sarkozy

Wie eine Bombe schlug vor diesem Hintergrund ein Interview mit Bettencourts ehemaliger Buchhalterin Claire T. im politischen Frankreich ein: Aus der Steueraffäre wurde eine Affäre um illegale Parteienfinanzierung. Die langjährige Angestellte der Milliardärin erzählte der Nachrichtenwebsite Mediapart, dass Bettencourt im März 2007 150'000 Euro in bar für den Wahlkampf des damaligen Präsidentschaftskandidaten Sarkozy gespendet habe - weit über dem gesetzlichen Limit von 4600 Euro für Wahlspenden. Empfänger soll Woerth gewesen sein, der seit der Gründung 2002 Schatzmeister der Regierungspartei UMP ist.

Erst einmal in Fahrt erzählte T., die von 1995 bis 2008 für Bettencourt gearbeitet hatte, dass Sarkozy auch schon in seiner Zeit als Bürgermeister des Pariser Nobelvororts Neuilly-sur-Seine in der dortigen Bettencourt-Villa Bargeld zugesteckt bekam. «Auch Nicolas Sarkozy bekam seinen Umschlag», sagte T. «Das passierte normalerweise nach dem Essen, alle im Haus wussten das.» Das sei zur «Gewohnheit» geworden. Jedes Mal, wenn Sarkozy gekommen sei, habe man sie gebeten, einen Umschlag zu bringen.

«Die Politiker gingen im Haus ein und aus»

Bettencourts 2007 verstorbener Mann habe keinen Hehl daraus gemacht, dass er konservative Politiker finanziell unterstützte, sagte T. «Die Politiker gingen im Haus ein und aus, vor allem wenn Wahlen waren.» André Bettencourt habe seine Spenden im konservativen Lager «breit gestreut». In einigen Fällen habe er Politikern «100'000 oder sogar 200'000 Euro» zugesteckt.

T. räumte ein, dass sie für all das keine Beweise habe. Sie habe aber «all diese Leute satt, die ihre Verantwortung nicht tragen wollen, die allen möglichen Unsinn erzählen», sagte sie zu der Bettencourt-Affäre, die seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht. Beweise könnten sich in den von T. jahrelang geführten «Kassenheften» der Bettencourts finden. Doch die sind verschwunden. Der ehemalige Steueranwalt der Milliardärin erinnert sich, dass ihre frühere Angestellte die Bücher im Hause liess, als sie ging - während Bettencourt behauptet, T. habe sie mitgehen lassen.

Schatzmeister Woerth ist fassungslos

Fassungslos reagierte UMP-Schatzmeister Woerth am Dienstag auf die neuen Vorwürfe. «Ich habe auf politischer Ebene nie den geringsten Euro erhalten, der nicht rechtens gewesen wäre», sagte er. «Alles ist sauber.» Sarkozy, der den Franzosen gerne eine «untadelige Republik» verspricht, sieht eine «Verleumdung», die nur dazu dienen solle, seine Regierung «zu beschmutzen».

Doch auch dort sind inzwischen viele nervös. Ex-Premierminister Jean-Pierre Raffarin und UMP-Fraktionschef Jean-François Copé forderten Sarkozy auf, sich möglichst schnell an die Franzosen zu wenden. Der konservative «Figaro» berichtete, dass Sarkozy prüft, seine für Oktober geplante Regierungsumbildung vorzuziehen. Doch Woerth und ein paar Minister auszutauschen, dürfte den Präsidenten nun auch nicht mehr aus der Schusslinie bringen.

AFP/bru

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