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Finnlands Aussenminister schreckt die Euroretter auf

«Wir müssen auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone gefasst sein»: Diese offenen Worte des finnischen Aussenminister haben europaweit für Wirbel gesorgt. Die EU bemüht sich nun um Schadensbegrenzung.

«Operationsplan für alle Fälle» in der Schublade liegen: Der finnische Aussenminister Erkki Tuomioja. (Archivbild)
«Operationsplan für alle Fälle» in der Schublade liegen: Der finnische Aussenminister Erkki Tuomioja. (Archivbild)
Reuters

Nach der Hysterie um missverständliche Äusserungen des finnischen Aussenministers zur Zukunft des Euros bemüht sich Brüssel um Schadensbegrenzung. Seine Behörde treffe keine konkreten Vorkehrungen für einen etwaigen Zerfall der Euro-Zone und halte die Gemeinschaftswährung vielmehr für «unumkehrbar», sagte EU-Kommissionssprecher Oliver Bailly. «Die Kommission arbeitet weder an einem Bruch der Eurozone, noch an einem Notfallplan, einem ‹Grexit› oder irgendwelchen anderen Szenarien, die ein Land aus dem Euro liessen.» Unter einem «Grexit» wird dabei der Austritt Griechenlands aus dem Euro verstanden.

Sofern andere Akteure an unterschiedlichen Szenarien arbeiten wollten, sei dies deren Verantwortung, sagte Bailly. «Wir konzentrieren uns alleine auf den Erhalt der Eurozone.» Die Kommentare aus Helsinki seien kein Grund zur Beunruhigung, schliesslich habe die finnische Regierung auf dem jüngsten EU-Gipfel gemeinsam mit den anderen Delegationen versichert, alles Notwendige zum Erhalt der Eurozone tun zu wollen.

«Operationsplan für alle Fälle»

Damit reagierte die Kommission auf den medialen Wirbel um Aussagen des finnischen Aussenministers Erkki Tuomioja in der britischen Zeitung «Daily Telegraph». Darin wird der Diplomat mit den Worten zitiert, Europa müsse sich «offen mit der Möglichkeit eines Euro-Bruchs» auseinandersetzen. Dies werde zwar von niemandem in Finnland – und schon gar nicht von der Regierung – befürwortet, aber: «Wie alle anderen auch» hätten die finnischen Behörden eben eine Art «Operationsplan für alle Fälle» in der Schublade liegen.

Da es verwunderlich wäre, wenn sich die Euro-Staaten so gar nicht auf die potenziellen Folgen eines potenziellen griechischen Austritts vorbereiteten, entfachten Tuomiojas Äusserungen einen eher überraschenden Wirbel. Der Aussenminister bemühte sich daraufhin um Relativierung. Dem finnischen Rundfunksender YLE sagte er, seine Einlassungen seien irreführend wiedergegeben worden. «In einer Situation der Unsicherheit überlegen alle Ministerien, ob der Fall eintreten könnte, dass der Euro auseinanderbricht.» Die Botschaft: Alles andere wäre ja auch fahrlässig, selbst wenn man es nicht will.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament, Elmar Brok, zeigte sich dennoch erfreut über eine zweite Wortmeldung aus Helsinki. Dass der finnische Europaminister Alexander Stubb versichert habe, Tuomioja Position spiegele nicht die der gesamten Regierung wider, wertete Brok als ein beruhigendes «Bekenntnis zum Euro», denn: «Spekulationen verunsichern nur und sollten nicht das Geschäft einer Regierung sein.»

Mit zur Verwirrung trug auch eine falsche Zuordnung von Zitaten bei, welche auch Redaktion Tamedia übernommen hatte: Die dahingehenden Aussagen, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis entweder der Süden oder der Norden wegbreche, stammen von Timo Soini, dem Chef euroskeptischen Partei Wahre Finnen

sda/dapd/mw/rub

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