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Eskalation der Gewalt in Italien

Die Krise spitzt sich zu: Während Ministerpräsident Mario Monti dem Süden unter die Arme greifen will, mehren sich Ausschreitungen gegen Steuerbehörden.

Dutzende Polizisten verletzt: Demonstranten versuchen ins Equitalia-Gebäude einzudringen. Die Angestellten verstecken sich hinter dem Sicherheitsgitter. (11. Mai 2012)
Dutzende Polizisten verletzt: Demonstranten versuchen ins Equitalia-Gebäude einzudringen. Die Angestellten verstecken sich hinter dem Sicherheitsgitter. (11. Mai 2012)
Keystone

Im krisengeschüttelten Italien nehmen gewaltsame Proteste gegen die Steuerbehörden zu. In Livorno in der Toskana warfen Unbekannte am frühen Samstagmorgen Molotow-Cocktails auf das Büro der Steuereinzugsgesellschaft Equitalia. Die Brandsätze explodierten jedoch nicht.

Lediglich die Eingangstüre des Gebäudes sei beschädigt worden, berichtete die Ansa. Bei der Equitalia in Rom ging gestern ein Brief mit einem Pulver ein, das allerdings nach Angaben von Sprengstoffexperten nicht explodieren konnte. Auch in anderen Städten gab es Proteste vor den Finanz- und Steuerbehörden.

Ausschreitungen in Neapel

Gestern hatten in Neapel mehrere Hundert Menschen unangemeldet vor dem Sitz der Equitalia demonstriert. Es kam zu Ausschreitungen. Demonstranten warfen Eier, Steine, Flaschen und Säcke mit Abfall auf die Polizeikräfte. Mit Müllcontainern versuchten sie, die Strasse zu blockieren.

Ein Dutzend Polizeibeamte wurde verletzt. Gegen sieben Personen wurden Verfahren eingeleitet, unter anderem wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Sachbeschädigung und Körperverletzung.

Suizid-Welle

Der Staat treibe gnadenlos Geld von Rentnern und Geringverdienern ein; die grossen Steuersünder hingegen kämen ungeschoren davon, sagte ein wütender Demonstrant dem Fernsehsender Rai 3.

Die Demonstranten machen die Behörden für die desolate Lage vieler Menschen verantwortlich. Seit Jahresbeginn haben sich Dutzende Menschen das Leben genommen, Auslöser der Selbstmorde sollen finanzielle Schwierigkeiten, Pleiten oder Arbeitslosigkeit sein.

Monti will Armut eindämmen

Zur Eindämmung der Auswirkungen der Wirtschaftskrise hat die italienische Regierung derweil ein Massnahmenpaket in Höhe von einer Milliarde Euro verabschiedet, um einkommensschwache Familien zu unterstützen. Das Kabinett Monti will vor allem Finanzierungen für Süditalien locker machen.

«Wir stellen soziale Gerechtigkeit in den Vordergrund. In unserem Plan widmen wir bestimmten Regionen Süditaliens besondere Aufmerksamkeit, in denen das Problem der sozialen Ausgrenzung besonders akut ist», sagte Monti gestern.

Vor allem Kinder und ältere Menschen sollen von den Massnahmen profitieren. Zugleich will sich das Kabinett für neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche bemühen, teilte die Regierung mit.

Arbeitslosigkeit steigt

Über acht Millionen Italiener leben in Armut, teilte das italienische Statistikamt Istat mit. Das sind 14 Prozent der Bevölkerung. Mindestens 3,1 Millionen Italiener, 4,6 Prozent der Familien leben in starker Not. 23 Prozent der armen Familien leben in Süditalien.

Laut Istat ist die Arbeitslosigkeit in Süditalien im vierten Quartal 2011 auf 14,9 Prozent gewachsen, in Norditalien beträgt sie 6,7 Prozent. Auf nationaler Ebene ist die Arbeitslosigkeit auf 9,6 Prozent gestiegen.

SDA/kle

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