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Es brodelt in der deutschen SPD

Parteichef Beck ist abgetreten, Müntefering beerbt ihn. Aussenminister Steinmeier will Merkel vom Thron stossen. Und alle zusammen streiten sich heute in Berlin.

Der Störfaktor ist ausgeräumt: SPD-Parteichef Kurt Beck ist soeben an der Klausurtagung in Berlin zurückgetreten. Er begründet seinen Rücktritt mit «gezielten Falschinformationen», die über die Kanzlerkandidatur von Frank-Walter Steinmeier in deutschen Medien verbreitet worden seien. Diese hätten es ihm unmöglich gemacht, sein Amt weiter zu führen.

An Becks Stelle tritt Franz Müntefering, der 2004 und 2005 bereits Parteichef war. Frank-Walter Steinmeier, populärer Aussenminister, versucht nächstes Jahr, Angela Merkel zu entthronen.

Mit den Rangeleien an ihrer Spitze sucht die SPD heute in Berlin auch nach einer eigenen Strategie für dieses Land, das mit maroden Sozialwerken und allerlei Gräben innerhalb der Gesellschaft zu kämpfen hat. Die traditionellen SPD-Wähler, die Arbeiter, wählen immer öfter die Linkspartei, die ihnen soziale Sicherheit in einem harten wirtschaftlichen Umfeld verspricht. Die SPD hängt in der Luft - und sucht ihren Platz zwischen traditionellen Werten der Sozialdemokratie und dringend notwendigen Reformen.

Partei in der Krise

Seit Monaten schleppen sich die deutschen Sozialdemokraten von einem Umfragetief zum nächsten. Zuletzt lag die einstige Grosspartei noch bei einem Wert von 20 Prozent.

Geschadet hat der SPD die Linkspartei, unter Leitung des früheren SPD-Kalibers Oskar Lafontaine. Vor allem im Osten Deutschlands, bei älteren Wählern und in den von Arbeitslosigkeit geplagten einstigen Industriehochburgen schnappen die Linken den weniger Linken die Wähler weg. In Hessen versuchte die SPD-Frau Andrea Ypsilanti, mit der Linkspartei einen Pakt einzugehen - gewann fast die Wahlen, verlor aber viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Und nicht zuletzt schadete der SPD auch Kurt Beck, der oft ungeschickte Parteichef. Jetzt hat er den Platz geräumt.

Mit Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering übernehmen jetzt zwei Männer die Macht in der SPD, die sich eher dem Reformkurs verpflichtet fühlen, den auch schon Gerhard Schröder prägte: Sanierung der Sozialwerke, Reformen im Gesundheitswesen.

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