ABO+

Erschossen, erstochen, erschlagen

Jeden Tag stirbt in der Türkei mindestens eine Frau durch die Gewalt eines Mannes. Konsequenzen? Fast keine. Der Tod einer Studentin könnte das jetzt ändern.

Frauen fordern Gerechtigkeit für Sule Cet vor dem Justizpalast in Ankara. Dort findet der Prozess zum gewaltsamen Tod der Frau statt.Foto: Adem Altan (AFP)

Frauen fordern Gerechtigkeit für Sule Cet vor dem Justizpalast in Ankara. Dort findet der Prozess zum gewaltsamen Tod der Frau statt.Foto: Adem Altan (AFP)

Christiane Schlötzer@schloetzer

Der Mevlana Boulevard in Ankara ist eine achtspurige Autoschneise. Hochhäuser rechts, Hochhäuser links. Nachts sind die Büros leer. Und so bemerkt erst niemand, wie in einer Nacht im Mai aus einem der Glastürme ein Mensch fällt.

Es ist kurz vor vier Uhr früh, als der Körper der 23-jährigen Türkin Sule Cet auf einer Terrasse im ersten Stock aufschlägt. Am Morgen wird sie gefunden.

Das hätte genügen können für einen Anfangsverdacht gegen die zwei Männer, mit denen sie den Abend in dem Glasturm verbracht hat. Es war der 29. Mai 2018. Einer der Männer war ihr Chef, Cagatay A., er hat der Staatsanwaltschaft diese Geschichte erzählt: Sule habe ihm gesagt, sie wolle nicht mehr leben, und habe sich aus dem Fenster gestürzt. Suizid also. Er habe noch versucht, sie festzuhalten, vergeblich.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt