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«Er soll die Wortgirlanden beenden»

Karl-Theodor zu Guttenberg übt sich mit einer Medienoffensive an einem Comeback. Dabei tappt er einigen auf die Füsse, vor allem seinen eigenen Parteifreunden.

Der Rundumschlag kommt nicht gut an: Karl-Theodor zu Guttenberg.
Der Rundumschlag kommt nicht gut an: Karl-Theodor zu Guttenberg.
Reuters

In der CSU haben kritische Bemerkungen ihres früheren Hoffnungsträgers Karl-Theodor zu Guttenberg über den Zustand der Partei Verärgerung ausgelöst. «Die Parteienkritik von Karl-Theodor zu Guttenberg liegt völlig daneben», sagte der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer am Donnerstag am Rande seiner Tschechien-Reise in Aussig (Ústí nad Labem). «Es ist kein guter Stil, wenn alles und jeder herabgesetzt wird, um selbst erhöht zu werden.»

Seehofer bat Guttenberg, die «Wortgirlanden zu beenden» und Rücksicht zu nehmen auf die Tausenden, die sich in deutschen Parteien täglich engagierten für die Zukunft des Landes. Der Wirtschaftsexperte und frühere CSU-Chef Erwin Huber sagte, für Guttenbergs Belehrungen gebe es kein Verständnis.

«Romantische Rückschau» reicht nicht

Guttenberg hatte in einem Interview der Wochenzeitung «Die Zeit» unter anderem die «Behauptung» der CSU aufs Korn genommen, «man sei die letzte verbliebene Volkspartei». Dies werde «ihr bestimmt nicht mehr Wähler zuführen, sondern im Zweifel als Hybris ausgelegt». Er fügte hinzu: «Sich so zu bezeichnen, wenn man etwa 40 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von unter 60 Prozent bekommt, wirkt nur noch wie die Verhöhnung früherer Träume.»

Guttenberg mahnte ferner, es reiche «für die CSU nicht aus, in romantischer Rückschau die gute alte Zeit zu beschwören». Er kritisierte: «Da haben sich doch schon viele Spinnweben gebildet.» Er höre «immer wieder von jungen Leuten, dass es ihnen an einem Kompass fehlt».

Guttenberg warnte, die Gefahr eines Abstiegs zu einer Regionalpartei sei «immer dann gegeben, wenn die CSU glaubt, bayerische Interessen brachial und dauerhaft über gegebene bundespolitische und europäische Ansprüche sowie auch globale Einflüsse stellen zu müssen». Dieses Verhalten dürfe «nicht zum Grundmuster werden».

Guttenberg fügte hinzu: «Ich bin zurzeit Mitglied einer Partei, die einen langen Weg zu gehen hat, um von der Abwärtsbewegung der sogenannten Volksparteien nicht ergriffen zu werden.» Auf die Frage, ob die Betonung auf dem Wort «zurzeit» liege, antwortete er: «Dabei möchte ich es bewenden lassen. Nicht jede Betonung muss bereits eine Drohung sein.»

«Wir halten ihm nicht einen Thron frei »

Ex-Parteichef Huber sagte der «Mitteldeutschen Zeitung», die CSU habe Guttenberg «in einem sehr reichen Masse Solidarität gegeben, als er in Schwierigkeiten war». Dass es dafür nun «Watschen für die eigene Partei» gebe, sei mehr als erstaunlich.

Zu einem möglichen Comeback des wegen seiner abgeschriebenen Doktorarbeit gestürzten Politikers sagte Huber: «Karl-Theodor zu Guttenberg kann sich in der eigenen Partei jederzeit wieder um ein Mandat bewerben. Aber es ist nicht so, dass wir einen Thron frei halten.» Sowohl in der Bundesregierung als auch in Bayern sei «kein Posten unbesetzt». Huber betonte: «Wir haben keine vakanten Stellen.»

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) setzt derweil auf ein Comeback des 39-Jährigen. «Als Bezirksvorsitzender der CSU Oberfranken wünsche ich mir, dass Karl-Theodor zu Guttenberg wieder in die Politik zurückkommt, und zwar nach Möglichkeit auch in seiner oberfränkischen Heimat.» Zu möglichen Zeitplänen und Umständen wollte er sich nicht äussern. Friedrich betonte: «Ich habe keine Zweifel, dass man ihn willkommen heisst. Ich werde ihm aber keine öffentlichen Ratschläge geben.»

dapd/kle

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