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Er förderte und zerstörte politische Karrieren wie er wollte

Hans Dichand war Verleger des grössten österreichischen Blattes. Mit seiner «Kronen Zeitung» bestimmte er politische Karrieren. Nun ist er tot.

Bis zuletzt sass er in seinem Redaktionsbüro in einem hässlichen Wiener Industriequartier. Hans Dichand gab die Führung seiner «Kronen Zeitung» nie aus der Hand, bis zuletzt segnete er Schlagzeilen ab, schrieb Kommentare unter dem Pseudonym «Cato», traf Personalentscheide. Letzte Woche wurde der 89-Jährige aus dem Büro mit der Ambulanz in ein Wiener Spital gebracht. Angeblich litt er an einem Nierenversagen. Am Donnerstag Mittag starb Dichand. Mit seinem Tod geht nicht nur eine Ära des österreichischen Boulevardjournalismus zu Ende: Er bedeutet auch, dass die Karten in der Politik neu gemischt werden.

Der 1921 in Graz geborene Dichand war der erfolgreichste, aber auch umstrittenste Journalist und Zeitungsbesitzer des Landes. Von seiner «Kronen Zeitung» wurden in den besten Zeiten täglich über eine Million Exemplare gedruckt, drei der acht Millionen Österreicher bekamen ihre Informationen und ihr Weltbild vor allem oder ausschliesslich aus der «Krone». Heute hat die Zeitung eine Auflage von knapp 900_000. «Nur ein Journalist» betitelte ein befreundeter Autor Dichands Biographie. Tatsächlich war er weit mehr: eine graue Eminenz der österreichischen Politik. Seine Kampagnen konnten einer politische Karriere Schubkraft verleihen – oder sie beenden. Ein Stehsatz österreichischer Politiker war: Ohne Dichand kannst du nicht Politik machen. Wenige versuchten je, das Gegenteil zu beweisen. Dichands Stärke lag auch in der Schwäche seiner Gegner.

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