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Eine Revolution für Frankreichs Schwule und Lesben

Trotz einer massiven Gegenkampagne legt die Regierung in Paris einen Gesetzesentwurf vor: Homosexuelle sollen in Frankreich künftig heiraten und Kinder adoptieren können.

Das Gesetz soll die Gleichbehandlung auch juristisch festlegen: Die französische Justizministerin verkündet die Entscheidung. (7. November 2012)
Das Gesetz soll die Gleichbehandlung auch juristisch festlegen: Die französische Justizministerin verkündet die Entscheidung. (7. November 2012)
AFP

Die Gegner der Homo-Ehe haben in den vergangenen Wochen in Frankreich schwere Geschütze aufgefahren: Polygamie und Inzest würden Tür und Tor geöffnet, warnte der Erzbischof von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin. Der konservative Bürgermeister eines Pariser Bezirks zündelte gar mit dem Wort «Pädophilie».

Ungeachtet aller Attacken hat die sozialistische Regierung nun aber einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der Schwulen und Lesben die Ehe und eine gemeinsame Adoption von Kindern erlauben soll. Opposition und Kirche kündigten Widerstand an.

Ein langer Kampf

Homosexuelle kämpfen in Frankreich seit langem für die Homo-Ehe. Denn seit 1999 können sie mit dem sogenannten Pacs zwar eine eingetragene Lebensgemeinschaft eingehen. Bei Erbschaften oder der Hinterbliebenenrente sind die «Pacsés» aber Eheleuten nicht gleichgestellt. Und bislang konnten Schwule und Lesben zwar als Einzelpersonen ein Kind adoptierten, nicht aber als Paar.

Die Homo-Ehe und das damit einhergehende Adoptionsrecht für homosexuelle verheiratete Paare war eines der Wahlversprechen des Sozialisten François Hollande. Frankreichs Staatschef würdigte das Gesetz als Fortschritt «nicht nur für einige, sondern für die ganze Gesellschaft».

Seit Hollande im Mai sein Amt antrat, musste sich seine Regierung vor allem mit der Wirtschaftskrise herumschlagen. Nun bringt sie ihre erste grosse gesellschaftspolitische Reform auf den Weg.

Bürgermeister stellen sich quer

Wie bei der Wirtschaftspolitik bläst den Sozialisten jedoch auch bei der Homo-Ehe starker Wind entgegen. Die katholische Kirche hat dem Vorhaben den Kampf angesagt, und auch die konservative Oppositionspartei UMP wettert dagegen.

Hunderte Bürgermeister haben angekündigt, keine homosexuellen Paare trauen zu wollen. Der Pariser Stadtteilbürgermeister François Lebel, der vor den Gefahren der «Pädophilie» gewarnt hatte, wurde von der UMP aber zurückgepfiffen: Die Partei fürchtet, als schwulenfeindlich gebrandmarkt zu werden.

Mehrheit für Homo-Ehe

Zudem steht eine klare Mehrheit der Franzosen hinter der Homo-Ehe, laut Umfragen rund 60 Prozent. Auf mehr Skepsis stösst das Adoptionsrecht für Schwule und Lesben, in Umfragen halten sich Gegner und Befürworter die Waage. Gegner der Homo-Ehe argumentieren daher häufig mit dem Kindeswohl, das sie durch das Adoptionsrecht gefährdet sehen.

Während einigen das Gesetz zu weit geht, geht es manchen nicht weit genug: Französische Homosexuellen-Verbände sind mit dem Gesetzesentwurf nicht ganz zufrieden. Denn ein Recht auf künstliche Befruchtung wird Lesben im Entwurf nicht eingeräumt. Die Sozialisten wollen dazu womöglich einen Gesetzeszusatz einbringen, wenn das Parlament sich ab Januar mit dem Vorhaben befasst.

Die Schwulenrechtsorganisation SOS Homophobie hat die Abgeordneten bereits aufgefordert, einen Blick in andere europäische Länder zu werfen, wo Homo-Ehe, Adoptionsrecht und das Recht auf künstliche Befruchtung in den vergangenen Jahren schon eingeführt wurden: «Kein Land ist im angekündigten Sittenverfall versunken, und in keinem wird diese gerechte Reform in Frage gestellt.»

SDA/ses

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