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Eine Patrouille fährt ins Verderben

Russische Soldaten haben drei ukrainische Schiffe bei der Krim gestoppt und samt Besatzung festgesetzt. Der Konflikt um die Meerenge von Kertsch hatte sich abgezeichnet.

Mittels Frachtschiff sperrt Russland den schmalen Durchgang ins Asowsche Meer. Kiew habe die Eskalation absichtlich herbeigeführt. (Video: AP/Storyful)

Unfälle sehen anders aus. «Ja, ramm ihn, ramm ihn, verdammt noch mal, halt drauf, ramm die Sau!», hört man einen Mann rufen. Das Video wurde angeblich auf der Kommandobrücke eines russischen Patrouillenboots aufgenommen und vom ukrainischen Geheimdienst abgefangen. In der gut einminütigen Sequenz folgt der Bug des Schiffes einem Schlepper, macht einen Schlenker nach rechts und fährt ihm dann in die Seite.

Dass es zwischen der Ukraine und Russland früher oder später krachen würde in den Gewässern vor der Krim, zeichnete sich schon seit dem Frühjahr ab. Am 16. Mai hatte Wladimir Putin die neue Brücke eingeweiht, die an der Meerenge von Kertsch das russische Festland mit der annektierten Halbinsel verbindet. Nur vier Kilometer breit ist die Wasserstrasse an dieser Stelle. Russland hat seitdem die Kontrollen am Eingang vom Schwarzen Meer in das Asowsche Meer verschärft und begründet das damit, das strategisch bedeutende und zugleich verletzliche Bauwerk vor Anschlägen von Krimtataren oder ukrainischen Nationalisten schützen zu müssen.

Kiew spricht von Seeblockade

Die ukrainischen Häfen Mariupol und Berdjansk im Asowschen Meer trifft das hart. Seit ukrainische und ausländische Schiffe regelmässig vom russischen Grenzschutz gestoppt, kontrolliert und manchmal länger aufgehalten werden, ist der Handel eingebrochen. Kiew spricht von einer Seeblockade und pocht auf einen Vertrag aus dem Jahr 2003, in dem Russland und die Ukraine vereinbart hatten, das Asowsche Meer als gemeinsames ­Binnengewässer zu betrachten. Handels- und Marineschiffe Russlands und der Ukraine dürfen es gemäss Vertrag frei befahren, das Gleiche gilt für die Meerenge. Nur für Besuche von Kriegsschiffen dritter Staaten ist die Zustimmung des jeweils anderen Landes erforderlich.

Es hätte also eine Routinefahrt sein können, zu der die drei Boote der ukrainischen Marine aufbrachen. Zwei bewaffnete Patrouillenboote und ein Schlepper sollten vom Schwarzmeerhafen Odessa nach Mariupol verlegt werden – eine Fahrt rund um die Krim. Nach Darstellung Kiews meldete die ukrainische Marine ihre Boote vorgängig zur Passage beim russischen Kommando in Kertsch an, bekam aber keine Antwort. Am späten Sonntagvormittag habe das in Spanien gelegene internationale Kontrollzentrum dann gemeldet, Russland habe die Durchfahrt unter der Brücke wegen eines angeblich auf Grund gelaufenen Frachtschiffes gesperrt. Auf dem Weg dorthin rammte das russische Schiff den Schlepper.

Trotz der angeblichen Sperrung der Durchfahrt hätten mehrere russische Schiffe die Meerenge passiert. Die ukrainischen Boote, die immer noch keine Antwort von den Russen bekommen hätten, seien schliesslich bereits umgekehrt und zur Rückfahrt nach Odessa aufgebrochen, als ein ­russisches Spezialkommando, unterstützt von mindestens einem Helikopter und einem Kampfjet, das Feuer eröffnete. Die Russen hätten die Boote geentert und anschliessend in den Hafen von Kertsch geschleppt, samt den 23 Besatzungsmitgliedern der ukrainischen Boote, sagte der ukrainische Generalstabschef. Mehrere Ukrainer seien verletzt worden.

In ukrainischen Gewässern

Nach Auffassung Moskaus waren die Boote vor der Krim ohne Genehmigung in russische Hoheitsgewässer eingedrungen. Kiew räumte am Montag ein, dass sich die Schiffe in der 12-Meilen-Zone vor der Halbinsel befanden. Die Ukraine betrachtet diese aber als ihre Hoheitsgewässer, da sie die Annexion nicht anerkennt – wie ein Grossteil der internationalen Gemeinschaft.

Der UNO-Sicherheitsrat, die OSZE, die Nato und die Europäische Union beriefen am Montag Sondersitzungen ein. Eine EU-Sprecherin rief Moskau dazu auf, umgehend wieder freien Zugang zum Asowschen Meer zu gewährleisten. Der Bau der Krim-Brücke habe die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine verletzt, hiess es in einer Erklärung. «Die EU erkennt die illegale Annexion der Halbinsel nicht an und wird das auch in Zukunft nicht tun.»

Moskau warf Kiew und dem Westen vor, den Konflikt absichtlich anzuheizen. «Russland hat das Regime in Kiew und seine westlichen Hintermänner mehrfach davor gewarnt, eine künstliche Hysterie um das Asowsche Meer anzufachen», hiess es in einer Erklärung des Aussenministeriums. Es handle sich um eine «gut durchdachte und geplante Provokation», um die Lage in der Region weiter anzuheizen und neue Sanktionen gegen Russland zu verhängen.

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