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Ein Remis in der Nicht-Debatte

Theresa May und Jeremy Corbyn treten getrennt voneinander im Fernsehen auf, ohne gröbere Fehler zu machen. Dass wieder über den Brexit geredet wird, kommt May entgegen.

Ohne Pendant: Sollten sich Theresa May (Bild) und Jeremy Corbyn am Montag begegnet sein, dann allenfalls auf dem Gang.
Ohne Pendant: Sollten sich Theresa May (Bild) und Jeremy Corbyn am Montag begegnet sein, dann allenfalls auf dem Gang.
Stefan Rousseau

Zehn Tage vor der britischen Unterhauswahl haben sich Premierministerin Theresa May und Jeremy Corbyn, der Chef der oppositionellen Labour-Partei, am Montagabend in einer gemeinsamen Sendung von Sky News und Channel 4 dem Fernsehpublikum gestellt. Nacheinander, nicht miteinander. May hatte ein Zusammentreffen mit ihrem Herausforderer verweigert, was ihr einige Häme eintrug: Die Regierungs­chefin, so ätzte die Opposition, fürchte eine direkte Konfrontation.

Wahrscheinlicher ist etwas anderes: Angesichts des Vorsprungs, mit dem ihre Konservative Partei in die Kampagne gestartet war, wollte die Premierministerin einen präsidialen Wahlkampf betreiben. Dazu gehörte, sich selbst als Regierungschefin zu inszenieren, die über dem Parteiengezänk schwebt und Corbyn schlicht und einfach zu ignorieren.

Als Debattierer fürchten muss May den Oppositionsführer kaum: Ausserhalb des Wahlkampfs liefern sich Premierministerin und Oppositionsführer jeden Mittwoch im Parlament einen verbalen Schlag­abtausch. Dabei macht May in der Regel eine gute Figur, was allerdings auch der Schwäche ihres Gegners geschuldet ist: Die Premierministerin mag eine limitierte Rhetorikerin sein; Corbyns Leistungausweis auf diesem Gebiet ist indes noch deutlich schlechter.

Brexit, Brexit, Brexit

Am Montag stellten sich May und Corbyn jeweils zunächst den Fragen eines Studiopublikums und dann denen Jeremy Paxmans, eines Moderators, der als gefürchteter Interviewer gilt.

Eines der Hauptthemen war selbstverständlich der Brexit, Grossbritanniens geplanter Ausstieg aus der Europäischen Union. May war dabei einmal mehr bestrebt, sich als alternativ­lose Verhandlungsführerin darzustellen.

Grossbritannien müsse bereit sein, notfalls auch ohne Abschluss vom Verhandlungstisch aufzustehen, sagte sie – eine Position, die sie seit ihrem Amts­antritt einnimmt, von der keiner so recht weiss, wie ernst sie tatsächlich gemeint ist, die jedoch genau deswegen verhandlungs­taktisch Sinn hat. Wichtig sei vor allem, die Kontrolle über die ­Einwanderung zurückzuerhalten, sagte May und griff damit ein Anliegen auf, das für das Gros der Brexit-Befürworter an erster Stelle stehen dürfte.

Jeremy Corbyn setzte sich in der Brexit-­Frage deutlich von seiner Kontrahentin ab: Er wolle auf jeden Fall einen Vertragsabschluss mit der EU, sagte er am Montag. Dass dies unter Umständen bedeuten könnte, statt gar keinen Deal einen schlechten abzuschliessen, sagte er nicht.

Kein eindeutiger Sieger

Alles in allem gaben sich am Montag weder May noch Corbyn eine Blösse; ein eindeutiger Sieger war somit, wie meist bei derartigen Gelegenheiten, nicht auszumachen. Dies dürfte eher der Amtsinhaberin zugutekommen: Zwar ist der Vorsprung der Konservativen in den vergangenen Wochen erheblich zusammengeschmolzen, doch führen die Tories noch immer deutlich.

May wirkte eine Spur nervöser als Corbyn, absolvierte ihren Auftritt aber insgesamt souverän. Dies trotz teilweise aggressiver Fragen aus dem Publikum: Der mittlerweile wieder zurückgezogene Plan ihrer Partei, pflegebedürftige Hausbesitzer stärker zur Kasse zu bitten, wurde ihr auch am Montag noch einmal zum Vorwurf gemacht; May re­agierte durchaus überzeugend, indem sie erläuterte, die Tories hätten auf diesem Gebiet Änderungen erwogen, um die Jungen finanziell zu entlasten.

Später schlug Jeremy Paxman den Bogen von der Pflegefinanzierung zum Brexit: Wie May mit der EU verhandeln wolle, wenn sie bereits «beim ersten Anzeichen von Kanonenfeuer» zusammenbreche, fragte der Moderator. Man solle sie an ihren vergangenen Erfolgen in Gesprächen mit Brüssel messen, replizierte die Premierministerin. Sie meinte damit wohl ihre Bilanz als Innenministerin. Dass die Brexit-­Verhandlungen, die ja noch nicht einmal begonnen haben, um einiges komplizierter werden dürften als bisherige Gespräche mit der EU, sagte sie nicht.

Dennoch kam es May entgegen, dass wieder über den Brexit geredet wurde: Bei diesem Thema vertrauen die Wähler laut Umfragen eher den Tories, während sich das Thema Terror kaum auf die Umfragewerte ausgewirkt hat. Dies ist umso erstaunlicher, als Corbyn sein politisches Leben lang mehr oder weniger offen Sympathien für Terrorgruppen wie die irisch-republikanische IRA oder die palästinensische Hamas geäussert hat. Am Montag rechtfertigte sich der Oppositionsführer, indem er behauptete, er habe Kontakte mit der IRA gepflegt, um dem Friedensprozess in Nordirland auf die Sprünge zu helfen.

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