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Ein Dokumentarfilm sorgt für rote Köpfe in Liechtenstein

Der Grund ist ein mit öffentlichen Geldern geförderter Dokumentarfilm über Datendieb Heinrich Kieber, der den Finanzplatz in die grösste Krise seiner Geschichte stürzte.

Heinrich Kieber hatte mit dem Diebstahl einer CD und deren Verkauf an den deutschen Auslandgeheimdienst BND die Steuerbehörden in Deutschland und in anderen Ländern auf die Fersen mutmasslicher Steuersünder gehetzt. Der frühere deutsche Postchef Klaus Zumwinkel wurde vor laufenden Kameras abgeführt, musste von seinem Posten zurücktreten und wurde wegen Steuerhinterziehung verurteilt.

Und jetzt der Film über Kieber, nach dem immer noch international gefahndet wird und der vermutlich unter neuer Identität an einem geheim gehaltenen Ort lebt. «Heinrich Kieber - Datendieb», lautet der Titel des Werks.

Politiker in Aufruhr

Der Streifen lässt im «Ländle» die Emotionen hochgehen, bevor er vorgeführt worden ist. Und dass die Kulturstiftung Liechtenstein die Dokumentation mit 65'000 Franken unterstützt hat, grenzt offenbar schon fast an Landesverrat.

«Ein Dieb und ein Hehler. Ein Krimineller wird zum Star, vielleicht sogar zum Helden gemacht. Bewilligt von der Kulturstiftung Liechtenstein, bezahlt vom Steuerzahler», ereiferte sich der Parlamentarier Jürgen Beck in einem Zeitungsbeitrag.

Regierungsrätin Aurelia Frick hatte den Beitrag der Kulturstiftung an den Film nach einer parlamentarischen Anfrage bekanntgegeben. Um allfälligen Missverständnissen vorzubeugen, wurde danach via Presseamt rasch präzisiert, dass die Unterstützung weder von der Regierung noch vom Ressort Kultur angeregt oder angeordnet worden sei.

Einfluss auf das Schweizer Bankgeheimnis

Die Autoren des Films, Sigvard Wohlwend und Sebastian Frommelt, hatten der Kulturstiftung ihr Projekt Ende 2008 unterbreitet und den finanziellen Zustupf dafür bekommen. Zwei Jahre lang recherchierten sie, trugen Unmengen von Material zusammen.

Entstanden ist ein Portrait. «Im Kern geht es darum, das Leben Kiebers nachzuzeichnen, rasch wird der Film aber auch zum Wirtschaftskrimi», sagte Wohlwend am Mittwoch der Nachrichtenagentur SDA. «Kieber wird kein Denkmal gesetzt», betonte der Filmemacher.

Uraufführung am 7. Mai

Kieber habe Geschichte in Liechtenstein geschrieben und den Finanzplatz in die grösste Krise gestürzt. Auch in der Schweiz gäbe es ohne Kieber das Bankgeheimnis noch in der Form wie es vor zwei Jahren existiert habe, sagte Wohlwend. Ohne Kieber gäbe es in der Schweiz auch keine Diskussionen um die Weissgeld-Strategie.

200'000 Franken hat die Produktion des Dokumentarfilms gekostet. Ein Drittel stammt von der Kulturstiftung Liechtenstein, ein Drittel von einer privaten Stiftung, den Rest finanzierten die Filmemacher aus dem eigenen Sack.

Gezeigt wird der Streifen erstmals am 7. Mai im Kino in Schaan. Danach wird er auf Filmfestivals gezeigt und Fernsehstationen angeboten.

SDA/sam

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