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Eiertanz um das iranische Atomprogramm

Die Stimmung zwischen Teheran und dem Westen verschärft sich: Europa baut einen neuen Raketenschutzschild auf. Laut Israel besitzt der Iran genug Uran für mehrere Atombomben.

Bau der Atombombe möglich: Iranische Männer tanzen an einer Jubiläumsfeier zur Nukleartechnologie. (8. April 2008)
Bau der Atombombe möglich: Iranische Männer tanzen an einer Jubiläumsfeier zur Nukleartechnologie. (8. April 2008)
Reuters

Bei Gesprächen zwischen Staatsoberhäuptern oder auf Sicherheitskonferenzen, immer wieder kommen Politiker und Militärchefs auf den vorderasiatischen Staat zu sprechen. Auch heute war der Iran wieder ein Thema.

Schon lange verdächtigt der Westen den Iran, unter dem Deckmäntelchen eines zivilen Atomprogramms am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Teheran wies die Vorwürfe stets zurück. Doch der israelische Militärgeheimdienstchef Aviv Kochavi hat diese Ängste heute mit neuen Daten geschürt.

Der Iran besitze nach Angaben des israelischen Militärgeheimdienst bereits genug Uran für den Bau von vier Atombomben. Die Geheimdienste der Welt seien sich mit Israel einig, dass der Iran 100 Kilogramm auf 20 Prozent angereichertes Uran besitze, sagte er heute bei einer internationalen Sicherheitskonferenz in Herzlija.

Nach Angaben von Kochavi würde der Iran ein Jahr zum Bau einer Atombombe brauchen, sobald ein entsprechender Befehl von der Teheraner Führung erteilt würde.

Israel spekuliert über Angriff auf Atomanlagen

Zudem hat der stellvertretende israelische Ministerpräsident Mosche Yaalon einen Angriff auf iranische Atomanlagen für durchführbar erklärt. Yaalon sagte auf einer Konferenz von Wissenschaftlern, die unterirdischen Bunkeranlagen böten nicht genügend Schutz.

Erst kürzlich hatte der US-Verteidigungsminister Leon Panetta gemutmasst, dass amerikanische bunkerbrechende Bomben nicht stark genug seien, um die iranischen Schutzräume zu zerstören. Yaalon sagte ferner, dass der Iran versuche, eine Langstreckenrakete zu entwickeln, die die USA erreichen könnte.

Kommandozentrale für Raketenschild in Ramstein

Am selben Tag wurde heute bekannt, dass die Kommandozentrale für den geplanten Nato-Raketenschild auf der US-Airbase im pfälzischen Ramstein angesiedelt wird. Das bestätigte ein Sprecher des Hauptquartiers der Alliierten Luftstreitkräfte in Ramstein heute auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd. Der Schild soll schrittweise bis 2020 aufgebaut werden und vor allem eine aufkommenden Bedrohung durch Raketen aus dem Iran abwehren.

Im Zuge der Neuordnung der Nato-Kommandostruktur werde das bislang auf die zwei Standorte Ramstein (Nord) und Izmir (Süd) aufgeteilte Hauptquartier der Nato-Luftstreitkräfte komplett in Deutschland konzentriert, sagte der Oberstleutnant. Dazu gehöre auch die derzeit im Aufbau befindliche Fähigkeit zur Raketenabwehr. Das Hauptquartier in Ramstein wird im Zuge dieser Neuordnung in den nächsten zwei Jahren von bislang 400 auf dann 500 Dienstposten erweitert, fügte der Sprecher hinzu.

Einladung an Russland

Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizièreversicherte ausdrücklich, dass der Raketenschild sich nicht gegen Russland richte. «Es geht um eine in Europa stationierte Raketenabwehr gegen Bedrohungen aus dem Nahen Osten, insbesondere des Irans», sagte de Maizière. Er bekräftigte in diesem Zusammenhang die Einladung der Nato an Russland, bei dem Abwehrsystem mitzuwirken - «in einer noch zu bestimmenden Weise». Darüber soll unter anderem bei der anstehenden Sicherheitskonferenz in München geredet werden.

Bei dem Raketenschild geht es nicht um den Aufbau komplett neuer Strukturen, sondern primär um die Zusammenlegung bisheriger Abwehrfähigkeiten der einzelnen Nato-Mitgliedsstaaten. Vorgesehen ist ein neues Führungs- und Informationssystem, das ein Nato-einheitliches Lagebild erstellt und im Bedrohungsfall auf die Fähigkeiten der einzelnen Ländern zugreifen kann.

Geheimdienstdirektor besorgt

US-Geheimdienstdirektor James Clapper sagte bei einer Kongressanhörung, «dass einige iranische Offizielle - darunter wahrscheinlich Staatsoberhaupt Khamenei - ihr Kalkül geändert haben und jetzt stärker bereit sind, eine Attacke in den USA als Antwort auf tatsächliche oder vermeintliche Handlungen auszuführen, die das Regime bedrohen.»

«Wir sind auch besorgt, dass der Iran Komplotte gegen die USA oder alliierte Einrichtungen in Übersee schmieden könnte.»

Merkel wirbt für Sanktionen

Und auch weiter östlich war der Iran heute Thema: In China warb die deutsche Bundeskanzlerin für Sanktionen gegen den Teheran. Aus deutscher Sicht arbeite der Iran in der Atomfrage nicht «transparent» genug mit der internationalen Gemeinschaft zusammen, sagte Merkel.

Doch es gibt neben dem Säbelrasseln auch mahnende Stimmen. An der Münchner Sicherheitskonferenz, die am Freitag beginnt, will der ehemalige Diplomat Wolfgang Ischinger mit Experten diskutieren, wie die Staatengemeinschaft reagieren soll, sollte der Iran wirklich zu Atomwaffen gelangen. Ischinger: «Krieg kann nicht die einzige Alternative zu Sanktionen sein.»

Und auch James Clapper signalisierte nach Angaben der «Washington Post» das amerikanische Interesse, eine militärische Konfrontation mit dem Iran zu vermeiden: «Unsere Hoffnung ist, dass die Sanktionen den Beginn eines Wandels in der iranischen Politik bewirken, was ihr offensichtliches Streben nach atomaren Fähigkeiten betrifft.»

dapd/kle

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