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Dieser Abgang hat Berlusconi gerade noch gefehlt

Insgesamt 20 Berlusconi-Parlamentarier haben dem Premier den Rücken gekehrt. Aber kein Parteiaustritt schmerzt den Cavaliere mehr als derjenige des Ex-Showgirls Gabriella Carlucci.

Ehemaliger Berlusconi-Fan: Die italienische Politikerin Gabriella Carlucci hielt seit 1994 Silvio Berlusconi bedingungslos die Treue – nun wechselt sie die Partei.
Ehemaliger Berlusconi-Fan: Die italienische Politikerin Gabriella Carlucci hielt seit 1994 Silvio Berlusconi bedingungslos die Treue – nun wechselt sie die Partei.

Die PDL-Abgeordnete Gabriella Carlucci (52) verlässt Berlusconis Partei PDL und wechselt zur UDC, den ehemaligen Christdemokraten des Landes. Das Ex-Showgirl ist nur eine von rund 20 Berlusconi-Getreuen, die sich in letzter Minute vom umstrittenen Premier abwenden und somit das Ende seiner Karriere beschleunigen. Doch die am Sonntagabend bekannt gewordene Kursänderung Carluccis dürfte dem Premier ganz besonders wehtun. Denn wenn sogar «die Carlucci, Berlusconis leidenschaftliche Marktschreierin, geht, dann bedeutet dies, dass wirklich alles vorbei ist», analysiert der mehrfach ausgezeichnete italienische «L'Espresso»-Journalist Alessandro Gilioni in seinem heutigen Blog «Piovono Rane».

Gabriella Carlucci ist eine Berlusconi-Getreue erster Stunde und in Italien äusserst populär. Und genau jene Italiener, die sich von Berlusconis anzüglichen Witzen und von seiner zur Schau gestellten Potenz beeindrucken liessen und ihn immer wieder wählten, könnten sich nun Carluccis Worte speziell zu Herzen nehmen. «Ich habe seit 1994 mit Leidenschaft zum Wachstum von Forza Italia beigetragen, habe mein Leben geändert, grosse familiäre Opfer in Kauf genommen, weil ich an die Politik geglaubt habe», schreibt die Politikerin in einem Communiqué zu ihrem Abgang. Sie habe aber nicht an eine Politik geglaubt, die sich seit langem «nicht mit der dramatischen Aktualität auseinandersetzt».

Berlusconi? Der beste Witzeerzähler und unglaublich potent

Harte Worte von einer, die bis vor kurzem nur voll des Lobes für Silvio Berlusconi war und derweilen wie ein Teenager ins Schwärmen geriet, wenn man sie auf den Premier ansprach. Noch im April dieses Jahres, als die Polemik um Berlusconis Bunga-Bunga-Partys voll im Gang war, hatte sich die Politikerin während einer Radiosendung wohlwollend über Berlusconi geäussert und auch nicht verheimlicht, dass ihre Teenagersöhne grosse Fans von ihm seien: «Für sie ist Berlusconi der Grösste, weil er eine Sprache spricht, die sie verstehen, Witze erzählt und auch weil er sexuell super potent ist.» Doch nicht nur sein Erfolg mit Frauen sei entscheidend, auch die Tatsache, dass Berlusconi sich aus dem Nichts ein Imperium aufgebaut hat und einen eigenen Fussballclub besitzt, habe ihre Söhne schwer beeindruckt.

Kennengelernt hat Gabriella Carlucci den «Cavaliere» während ihrer Zeit bei Berlusconis TV-Sender Canale 5, wo sie unter anderem die Sonntagnachmittagskiste «Buona Domenica» moderierte und sich in die Herzen der Italiener plauderte. Ihren Anfang nahm ihre TV-Karriere in römischen Regionalsendern, bis ihr der Sprung ins staatliche Fernsehen RAI gelang, wo sie durch die äusserst beliebte Sendung «Portobello» führte.

Im Schatten der grossen Schwester

Mit dem Wechsel zu RAI konnte Gabriella Carlucci endlich an den Erfolg der grossen Schwester Milly Carlucci anknüpfen. Milly Carlucci, die schon seit den 70er-Jahren verschiedene Unterhaltungssendungen moderierte, gilt in Italien als Showgirl erster Stunde. Kein Skandal hat die über dreissigjährige TV-Karriere Millys getrübt, die seit Jahren mit demselben Mann verheiratet und Mutter zweier Kinder ist. Vor sieben Jahren wurde Milly Carlucci sogar vom damaligen italienischen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi der Verdienstorden der Italienischen Republik verliehen. Das lupenreine Image der grossen Schwester färbte auch auf die um fünf Jahre jüngere Gabriella ab. Gemeinsam warben sie für italienische Einbauküchen und strahlten abwechselnd von den Covern der Hochglanzmagazine.

Gestern hat Gabriella Carlucci gezeigt, dass sie auch anders kann als nur nett sein. Ihre Entscheidung stehe fest, wiederholte sie heute gegenüber den Medien: «Berlusconi macht nur Rückschritte und hindert eine andere Persönlichkeit der Mitte-rechts-Politik, eine fähige Regierung zu bilden.» Dieser Satz dürfte Berlusconi treffen, der «seine» Carlucci 2001 sogar ins italienische Parlament holte und mit ihr die Tradition der Ex-Showgirls als Politikerinnen startete. Um sich die Gunst des Cavaliere nicht vollständig zu verspielen, legte Carlucci versöhnlich nach, dass sie Berlusconi sehr lieb habe, ihn sehr schätze und «ihn weiterhin lieb haben und schätzen wird».

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