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Die Zensoren der Stadt Duisburg

Die Stadt Duisburg verhindert zurzeit erfolgreich Informationen, die Aufschluss über das Loveparade-Drama geben könnten.

Die Stadt Duisburg sperrt Dokumente über den Unfallhergang der Loveparade: Oberbürgermeister Adolf Sauerland.
Die Stadt Duisburg sperrt Dokumente über den Unfallhergang der Loveparade: Oberbürgermeister Adolf Sauerland.
Keystone

Lange versuchten die Medien vergeblich, Licht ins Loveparade-Desaster zu bringen. Wie konnte es passieren, dass bei einem friedlich motivierten Anlass 21 Menschen ums Leben kamen und Hunderte Teilnehmer verletzt wurden? Wo genau hat die Planung der Organisation versagt? Viel wurde in der Öffentlichkeit gemutmasst, mögliche Sündenböcke – wie Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland – waren schnell ausgemacht.

Am Mittwoch wollte der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) den wilden Spekulationen ein Ende setzen. Er forderte die Stadt Duisburg zur definitiven Beendigung der «restriktiven Informationspolitik» auf. Stattdessen sollten jene Journalisten tatkräftig unterstützt werden, die die Vorgänge aufklären wollten. Dies verlangte der DJV-Vorsitzende Michael Konken am Mittwoch in Berlin.

Zensierte Veröffentlichung

Prompt reagierte die Stadt Duisburg auf diese Forderung. Sie legte der Öffentlichkeit ein 53-seitiges Dokument vor, das Anfang des Monats bereits als Teil des Zwischenberichts der Loveparade-Katastrophe an den nordrhein-westfälischen Landtag ging. Das Dokument enthielt einen Auszug aus dem internen «Einsatztagebuch» der Stadt Duisburg, das den Ablauf des Desasters vom 24. Juli minutengenau festhält. Wie «Die Zeit» berichtet, waren dem Bericht brisante Anlagen angehängt, die detaillierte Einsicht in Besprechungsprotokolle, Konzepte und Lagepläne liefern sollten.

So weit, so gut. Doch bei genauerer Betrachtung des Dokuments macht sich Ernüchterung breit. Das Tagebuch enthält einen Schönheitsfehler: Entscheidende Anlagen wurden nicht publiziert. Das Protokoll bricht um 12.52 Uhr ab – genau dann, als die Situation an der Loveparade eskalierte. Das Papier lässt lediglich Ahnungen zu, weshalb es zur Katastrophe kam.

Andere Quellen lieferten mehr

Für genauere Informationen mussten die Medien andere Quellen herbeiziehen. Fündig wurden sie auf Internetportalen wie «Xtranews», das die kompletten Auszüge lieferte – in unzensierter Form. Einzelne Einträge dokumentieren, wie die Situation aus dem Ruder lief.

Der Stadt Duisburg waren diese Auszüge offensichtlich zu brisant. Sie hat eine einstweilige Verfügung gegen ihre Veröffentlichung erwirkt. Das Gericht verbietet offiziell die Veröffentlichung von Loveparade-Dokumenten und droht mit einem Bussgeld von 250'000 Euro. Mit Folgen: Xtranews.de – das Newsportal aus dem Ruhrgebiet – ist zurzeit nicht abrufbar.

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