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Türkei entlässt fast 4000 Beamte und verbietet Dating-Shows

Weniger als 24 Stunden nach der Sperrung von Wikipedia hat die türkische Regierung die Medienfreiheit weiter eingeschränkt und erneut Tausende Staatsangestellte entlassen.

Erdogan anlässlich einer Rede in Istanbul. (29. April 2017)
Erdogan anlässlich einer Rede in Istanbul. (29. April 2017)
STR, Keystone

Im Zuge ihres Vorgehens gegen mutmassliche Putsch-Unterstützer hat die türkische Regierung fast 4000 weitere Staatsbedienstete entlassen. Laut einem am Samstag veröffentlichten Dekret wurden 3974 Beamte entlassen, darunter mehr als tausend Mitarbeiter des Justizministeriums und mehr als tausend Armee-Angehörige. In dem Dekret war jeder einzelne Entlassene namentlich erwähnt.

Gleichtags wurden gemäss der Nachrichtenagentur AFP auch Dating-Shows am Fernsehen verboten. «Im Radio und Fernsehen können Programme, die Personen einander vorstellen, um einen Partner zu finden, nicht mehr zugelassen werden», heisst es demnach im Dekret der islamisch-konservativen Regierung.

«Beschädigen die Institution der Familie»

Vizeregierungschef Numan Kurtulmus hatte das Verbot im März angekündigt und gesagt, derartige Sendungen passten nicht zu den türkischen Sitten und Traditionen. «Es gibt einige merkwürdige Sendungen, die die Institution der Familie beschädigen und ihr die Würde und Heiligkeit nehmen», hatte er gesagt.

Regierungsgegner in der Türkei fürchten eine immer stärkere Ausrichtung der Politik nach einem konservativen Verständnis des Islam. Anhänger der Regierungspartei AKP argumentieren, Kuppelshows erhielten jedes Jahr Tausende Beschwerden von Bürgern, weshalb ein Verbot im öffentlichen Interesse sei.

Wikipedia komplett gesperrt

Die Türkei befindet sich seit dem gescheiterten Militärputsch vom vergangenen Juli im Ausnahmezustand. Die Regierung Erdogans hat den Ausnahmezustand bereits dreimal verlängert.

Am Samstag ist in der Türkei bereits landesweit der Zugang zum Online-Lexikon Wikipedia blockiert worden. Die türkische Behörde für Informations- und Kommunikationstechnologien (BTK) bestätigte, den Zugang gesperrt zu haben, nannte aber keinen Grund für die Entscheidung. Medienberichten zufolge sollen die türkischen Behörden Wikipedia zuvor vergeblich aufgefordert haben, Inhalte zur «Terrorunterstützung» sowie Angaben, wonach die Türkei mit Terrorgruppen kooperiere, zu löschen.

9100 Polizisten suspendiert

Die türkische Regierung geht seit Monaten gegen mutmassliche Anhänger der Gülen-Bewegung vor. Ankara macht die Bewegung des in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen für den gescheiterten Militärputsch vom vergangenen Juli verantwortlich. Seit dem Putschversuch wurden daher in der Türkei zehntausende mutmassliche Gülen-Anhänger inhaftiert oder aus dem Staatsdienst entlassen.

Erst am Mittwoch hatte die Polizei bei landesweiten Razzien mehr als tausend Verdächtige festgenommen, Tausende weitere wurden per Haftbefehl gesucht. Am selben Tag suspendierte die Polizei in den eigenen Reihen mehr als 9100 Beamte, weil sie Verbindungen zum Gülen-Netzwerk haben sollen.

AFP/mch

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