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Die Schottin J.K. Rowling macht sich unbeliebt

Die Harry-Potter-Autorin unterstützt die Kampagne gegen die Unabhängigkeit Schottlands grosszügig.

Sie liebt ihre Heimat Schottland, will, dass sie gerade deshalb bei Grossbritannien bleibt – aber das verstehen nicht alle Fans von J.K. Rowling.
Sie liebt ihre Heimat Schottland, will, dass sie gerade deshalb bei Grossbritannien bleibt – aber das verstehen nicht alle Fans von J.K. Rowling.
Carlo Allegri, Reuters

Die einen feiern ihre Wortgewandtheit und ihren «magischen» Einfluss. Die anderen halten J. K. Rowling für eine Verräterin. «Ein Miststück sondergleichen» sei sie, heisst es. Man solle sie «zurück nach England» schicken.

Allen kann es die weltberühmte Harry-Potter-Autorin nicht recht machen. Sie hat sich letzte Woche so richtig in die schottischen Disteln gesetzt. Die in Edinburgh lebende Schriftstellerin hat nämlich Partei genommen im Streit um die Unabhängigkeit Schottlands. Sie hat für den Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich plädiert.

Nun ist Rowling nicht die erste prominente Mahnerin, die abzugswilligen Schotten zur Besinnung rät. David Bowie zum Beispiel hat sich gegen eine Auflösung des alten Bundes ausgesprochen. Und US-Präsident Barack Obama hat vor ein paar Tagen zu erkennen gegeben, dass er den Erhalt der Einheit Grossbritanniens für durchaus sinnvoll halte. Schon dieser Einwurf hat die Unabhängigkeits-Befürworter, von denen viele Obama schätzen, getroffen. Noch schwerer trifft sie nun das Bekenntnis einer Autorin, die auch in Schottland, bis tief ins progressive Lager hinein, unzählige Fans hat – und deren Stimme bei der Debatte um Schottlands Zukunft etwas gilt.

Entsprechend vorsichtig argumentiert Rowling für den Verbleib der Schotten im grösseren Ganzen. Die Idee eines auf eigenen Füssen stehenden «grüneren und sozial gerechteren» Landes sei «äusserst attraktiv». Das Problem sei nur, dass so viele Fachleute bezweifelten, dass Schottland wirklich auf eigenen Füssen stehen könne.

Fragen zur schottischen Währung, zum drohenden Versiegen der Ölquellen und zur Abhängigkeit von globalen Wirtschaftsprozessen seien von Unabhängigkeitsfans nicht befriedigend beantwortet worden. Die Trennung von England, Wales und Nordirland werde «nicht schnell und sauber sein» können, meint Rowling. Sie werde den Schotten «drei verbitterte Nachbarn» bescheren – und sich als «historischer Fehler» erweisen.

Sie selbst, betont die 48-Jährige, fühle sich von Abstammung und Biografie her «Schottland vollkommen zugehörig». Sie wolle «für immer» in Schottland bleiben: Egal, wie sich die Schotten im September entscheiden werden. Vor allem empfinde sie Dankbarkeit dafür, dass Schottland sie am Tiefpunkt ihres eigenen Lebens aufgenommen habe. Nach dem Kollaps ihrer verhängnisvollen ersten Ehe war die ehemalige Hilfslehrerin mit ihrer kleinen Tochter nach Edinburgh geflüchtet. Dort lebte sie jahrelang von der Sozialhilfe und schrieb ihre Harry-Potter-Bücher in örtlichen Cafés.

Ihr Treueeid zur Wahlheimat half der sanften Neinsagerin freilich wenig. Wütend fielen Nationalisten im Web über sie her. Jemand wie Rowling, der «mehr Geld als Verstand» habe, denke doch nur an die eigenen Interessen, der «üblen Tussi» gehe es doch nur um Steuervorteile.

Dass Rowling der Kampagne gegen Unabhängigkeit gleich noch eine Million Pfund überreicht hat, geht ihren Kritikern besonders gegen den Strich. Bisher hatten die Unabhängigkeitsbefürworter in finanzieller Hinsicht die Nase vorn. Zwei auf Selbstbestimmung erpichte Lotteriegewinner hatten den Nationalisten bereits 3,5 Millionen überwiesen. Mit Rowlings Deklaration und Spende holt die Gegenseite auf.

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