Die Flüchtlingswelle als perfide Waffe

Italienische Anti-Mafia-Staatsanwälte ermitteln gegen den gestürzten libyschen Diktator Ghadhafi. Er könnte schuld am Tod Dutzender Bootsflüchtlinge sein, die Richtung Lampedusa fuhren.

Stoppt ein Flüchtlingsboot: Italienische Küstenwache (hinten) am 19. April 2011.

Stoppt ein Flüchtlingsboot: Italienische Küstenwache (hinten) am 19. April 2011.

(Bild: Keystone)

Die italienische Justiz verdächtigt den gestürzten libyschen Machthaber Muammar al-Ghadhafi, Drahtzieher der massiven Migrationswelle in Richtung Lampedusa zu sein. Eine dahingehende Untersuchung wurde von den Anti-Mafia-Staatsanwälten von Palermo in die Wege geleitet.

Ermittelt wird gegen zehn libysche Staatsbürger, die Hunderte Flüchtlinge bei langen Bootsfahrten über das Mittelmeer nach Lampedusa gebracht haben. Die Ermittlungen leitet Staatsanwalt Vittorio Teresi, der sich seit Jahren mit Verbrechen beschäftigt, die mit der Migration in Verbindung stehen, berichteten italienische Medien.

Die Ermittlungen der palermitanischen Justizbehörden konzentrieren sich auf drei Bootsfahrten zwischen dem 1. und 6. August. Im Laderaum eines der drei Boote wurden 25 Leichen gefunden. Die Justiz will klären, ob die Flüchtlinge im Laderaum eingesperrt wurden und dort erstickt seien.

Ghadhafi wollte Italien unter Druck setzen

«Unser Verdacht ist, dass Ghadhafi die Flüchtlingsfahrten organisiert hat, um Italien wegen seiner Beteiligung an der Militäraktion unter Druck zu setzen», sagte Tiresi, der in den vergangenen Tagen die Insel Lampedusa besuchte und mehrere Flüchtlinge befragte.

«Einige Flüchtlinge berichteten, dass sie nicht nach Italien fahren wollten und dass sie dazu von einer Organisation gezwungen worden seien, die in den libyschen Häfen agierte. Die Reise sei gratis gewesen. Die Fahrten erfolgen unter unmenschlichen Bedingungen, mit bis zu 500 Menschen auf einem einzigen Boot», berichtete der Staatsanwalt.

«Wir haben Beweise, dass al-Ghadhafi Befehle gab, um Lampedusa zur Hölle zu machen», hatte Italiens Aussenminister Franco Frattini kürzlich gesagt. Ghadhafi habe seinen Vertrauensleuten befohlen, Tausende Flüchtlinge per Boot nach Lampedusa zu schicken, um die Insel ins Chaos zu stürzen. Ghadhafi habe Menschenrechtsverbrechen verübt, indem er Massen von Verzweifelten mit Booten zum Tod im Mittelmeer verurteilt habe.

miw/sda

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