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Die «Femme fatale» der tschechischen Politik

Wegen Korruptionsvorwürfen hat der tschechische Ministerpräsident Petr Necas seinen Rücktritt erklärt. Die Fäden in der Staatsaffäre zog aber eine andere – eine Blondine namens Jana Nagyova.

War mehr als nur Arbeitskollegin von Ministerpräsident Necas: Die verhaftete Kabinettschefin Jana Nagyova.
War mehr als nur Arbeitskollegin von Ministerpräsident Necas: Die verhaftete Kabinettschefin Jana Nagyova.
Keystone

Jana Nagyova, die «Femme fatale» der tschechischen Politik und engste Mitarbeiterin von Ministerpräsident Petr Necas, ist jetzt über ihre eigene Machtfülle gestürzt. Seit dem Wochenende sitzt sie im Gefängnis.

Begonnen hatte die Karriere der heute 48-Jährigen als Büroleiterin des gleichaltrigen Necas im Jahr 2006, als dieser Minister für Arbeit und Soziales war. Nach dessen Aufstieg zum Regierungschef im Sommer 2010 wurde Nagyova Kabinettschefin. Die Beziehungen zwischen der schillernden «Zarin» und dem farblos und hölzern wirkenden Necas gehen weit über die rein dienstliche Ebene hinaus, die beiden haben nach übereinstimmender Ansicht von Boulevardblättern und seriösen Medien ein Verhältnis miteinander.

Zweifelhafte Qualität

Dem grossen Publikum wird der Name Jana Nagyova erst Anfang 2012 bekannt, als tschechische Medien genüsslich ihre masslosen Gehaltszulagen offenlegen. «Sie schuftet wie ein Galeerensklave», kommentierte Necas das damals und sorgte damit für unfreiwilige Heiterkeitserfolge. Die Presse mokiert sich auch über die zweifelhafte Qualität von Nagyovas Abschlussarbeit an einer privaten Universität. Immerhin trug diese ihr einen Doktortitel ein.

«Nagyovas Stärke stand im umgekehrten Verhältnis zu Necas' Schwäche», schrieb die einflussreiche Wochenzeitung «Reflex». Unter Berufung auf eine regierungsnahe Quelle hiess es in dem Blatt weiter: «Wenn es für sie in der Ministerpräsidentenkutsche zur Landwirtschaftsausstellung keinen Platz gab, mussten alle zu Fuss gehen.»

Was Nagyova seit ihrer Inhaftierung am meisten betrübt, ist nach Auskunft ihres Anwalts Eduard Bruna die Tatsache, dass die Polizei über zahlreiche Aufzeichnungen ihrer privaten Telefongespräche und SMS verfügt. Nagyova wird Amtsmissbrauch und politische Korruption im grossen Stil vorgeworfen. Sie soll zudem Geheimdienste dazu missbraucht haben, um Necas' sehr zurückgezogen lebende Ehefrau Radka zu bespitzeln.

Trennung von seiner Frau

Necas gab in der vergangenen Woche offiziell die Trennung von seiner Frau bekannt. Nach Polizeiangaben hatte ihn Nagyova dazu gedrängt. Diese soll ausserdem im vergangenen Herbst versucht haben, drei als «unsichere Kantonisten» geltende Abgeordnete von Necas' rechtsgerichteter Demokratischer Bürgerpartei (ODS) zum Mandatsverzicht zu bewegen, um das Kürzungspaket der Regierung durch das Parlament zu bekommen. Zur Belohnung bekamen die drei Parlamentarier lukrative Posten in staatlichen Unternehmen.

Auch im Gefängnis zeigt Nagyova ihrem Anwalt zufolge «mehr Mut» als die sechs Politiker, die ausser ihr im Zuge der Korruptions- und Spitzelaffäre inhaftiert wurden. Sie habe in «gutem Glauben» gehandelt, ist Bruna überzeugt. In Wirklichkeit habe sie die Ehefrau des Regierungschefs schützen wollen, denn diese sei ihrer Meinung nach von Zeugen Jehovas bedrängt worden.

Eine Unterstützung ist der treuen Kundin von Luxusboutiquen in Prags Parizska-Strasse sicher: die ihrer Töchter Nikola und Stepanka. In einem sozialen Netzwerk im Internet sind die Beiden mit T-Shirts zu sehen. Darauf steht: «Love my mum» (Ich liebe meine Mutter).

AFP/wid

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