Die Bürger von Calais

Der französische Innenminister Gérard Collomb sieht die Wirschaftsmigranten in der Opferrolle. Dabei vergisst er sein eigenes Volk.

Die Situation ist in erster Linie für die Bewohner von Calais unerträglich, die seit Jahren von einer gewalttätigen Migrantenarmada belagert werden.

Die Situation ist in erster Linie für die Bewohner von Calais unerträglich, die seit Jahren von einer gewalttätigen Migrantenarmada belagert werden.

(Bild: Keystone)

Während des Hundertjährigen Krieges belagerte der englische König Eduard III. während elf Monaten die französische Stadt Calais. Als die Lage aussichtslos erschien und die Stadt kurz vor der Zerstörung stand, opferten sich sechs angesehene Bürger, stellten sich als Geiseln zur Verfügung und retteten so ihre Stadt.

Heute werden nicht sechs, sondern alle Bürger dieser Stadt in Geiselhaft genommen. Seit Beginn der Flüchtlingskrise belagern Tausende von Migranten das Gebiet um Calais, welche alle auf eine Möglichkeit hoffen, durch den Eurotunnel illegal nach Grossbritannien zu gelangen. Vor zwei Jahren kampierten schliesslich gegen 10 000 Flüchtlinge im sogenannten Dschungel von Calais, bevor dieser von einem grossen Polizeiaufgebot geräumt werden musste.

Desinteressierte Staatsführer

Da sich damals die Politik nicht an einer nachhaltigen Lösung interessiert zeigte, kehrten die Migranten kurz darauf wieder zurück, und heute ist die Situation erneut vollends aus dem Ruder gelaufen. Der Autobahnzubringer zum Tunnel wird laufend wie zur Zeit der Wegelagerer blockiert und die Lastwagenchauffeure auf dem Weg vom französischen Festland nach England werden bedroht und angegriffen.

Fünf Migranten mit Schussverletzungen mussten hospitalisiert werden

Vor ein paar Wochen nun hat die Eskalationsstufe einen weiteren Höhepunkt erreicht. Bei gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Afghanen und Eritreern – tatkräftig unterstützt von Schleppern – kamen Schusswaffen und Eisenstangen zum Einsatz, was zur Folge hatte, dass mehrere Personen teilweise gravierend verletzt wurden sowie fünf Migranten mit Schussverletzungen hospitalisiert werden mussten. Kurz darauf marschierten junge männliche Flüchtlinge mit Eisenstangen und Stöcken bewaffnet durch die Innenstadt von Calais und sorgten bei den Bewohnern für Angst und Schrecken.

Der französische Innenminister Gérard Collomb reiste daraufhin unverzüglich an den Ort der Schande und beorderte zusätzliche 150 Beamte der CRS-Ordnungstruppe (Compagnies Républicaines de Sécurité de la Police Nationale) nach Calais. Gérard Collomb sagte, die Situation wäre für die Bevölkerung sowie für die Migranten unerträglich.

Die wahren Opfer

Dabei hat er nicht realisiert, was für einen groben Stuss er mit dieser Bemerkung zum Besten gegeben hat. Weshalb unerträglich für die Flüchtlinge, welche die unhaltbaren Zustände überhaupt erst geschaffen haben? Die Situation ist in erster Linie für die Bewohner von Calais unerträglich, die seit Jahren von einer gewalttätigen Migrantenarmada belagert werden. Unerträglich ist zudem die Lage für jene Berufschauffeure, die tagtäglich diese Route befahren und seit Jahren an dieser Stelle im heiligen Euroland um ihre Gesundheit oder gar ihr Leben fürchten müssen.

Die in Calais Gestrandeten sind ausnahmslos Wirtschaftsmigranten

Irgendjemand wird diesen Flüchtlingen erklären müssen, wonach eine Weiterreise nach Grossbritannien oder der unbeschränkte Aufenthalt in Frankreich ausgeschlossen sind. Letztendlich kann das Problem nur mit einer Internierung gelöst werden, um so die Rückkehr der Migranten zu forcieren und das eigene Volk zu schützen. Die in Calais Gestrandeten sind sowieso keine Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention, sondern ausnahmslos Wirtschaftsmigranten. Und zum besseren Verständnis: Flüchtlinge sind Menschen, die an Leib und Leben bedroht sind und nicht Menschen, die andere an Leib und Leben bedrohen.

Markus Melzl ist ehemaliger Kriminalkommissär und Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt.

Basler Zeitung

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