Deutschlands linker Rechtsausleger schlägt wieder zu

SPD-Mitglied und Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin provoziert unverdrossen: Nach seiner Kopftuchschelte beklagt er die Verdummung der Deutschen – durch Ausländer.

Deutschlands oberster Provokateur: Bundesbank-Manager Sarrazin war früher Finanzsenator von Berlin.

Deutschlands oberster Provokateur: Bundesbank-Manager Sarrazin war früher Finanzsenator von Berlin.

(Bild: Keystone)

Anlässlich eines Vortrags mit dem Titel «Bildung, Demografie, gesellschaftliche Trends» bei den Unternehmerverbänden Südhessens nutzte das Vorstandsmitglied der deutschen Bundesbank die Gelegenheit, Klartext zu reden. Dass Deutschland in Sachen Bildung immer weiter ins Hintertreffen gerate, hat nach Ansicht von Sarrazin einen simplen Grund: Ausländer.

«Wir werden auf natürlichem Weg immer dümmer», zitierten die deutschen Zeitungen «Welt» und «Bild» das SPD-Mitglied auf ihren Webseiten. Als Argumente dienten ihm dabei Zahlen im Zusammenhang mit Zuwanderern «aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika». Diese Menschen haben laut Sarrazin einen geringeren Bildungsstand als Einwanderer aus anderen Ländern, wurde Sarrazin weiter zitiert.

«Gruppen «mit unterschiedlicher Intelligenz»

Glaubt man der Argumentation des Bankiers, dann ist Bildung offenbar vererbbar. Und Intelligenz eine Eigenschaft, die nicht nur genetisch mitbestimmt wird, sondern je nach Pass unterschiedlich stark ausfällt: Einwanderer bekämen deutlich mehr Kinder als Deutsche, erklärte Sarrazin nämlich weiter; es gebe «eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz».

Im vergangenen Jahr hatte Sarrazin bereits mit provokanten Äusserungen für Schlagzeilen gesorgt – mit einem Interview über den angeblich fehlenden Integrationswillen vieler Ausländer in einem Interview der Zeitschrift «Lettre International». «Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren den Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate», wurde er zitiert. Und: «Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.»

Befugnisse bei Deutscher Bank beschnitten

Der Manager hatte sich im Anschluss öffentlich entschuldigt, einen Rücktritt aber abgelehnt, obwohl auch Bundesbankpräsident Axel Weber ihm diesen indirekt nahegelegt hatte. Die Bank reagierte schliesslich mit der Teil-Entmachtung. Der Vorstand entzog Sarrazin eine Zuständigkeit für das wichtige Bargeld-Ressort. Er blieb aber Vorstand für die Bereiche Informationstechnologie und Risiko-Controlling. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte sogar geprüft, ob gegen Sarrazin ein Anfangsverdacht der Volksverhetzung vorliege.

raa

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