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«Deutschland ist zu gross für Europa»

Wenn das europäische Projekt überleben soll, müssen die Vereinigten Staaten von Europa entstehen, sagt der irische Historiker Brendan Simms. Grossbritannien und die Schweiz sieht er nicht zwingend als Mitglieder einer solchen Union.

«Es gibt keinen Grund für die Schweiz, ihre Souveränität aufzugeben»: Historiker Brendan Simms
«Es gibt keinen Grund für die Schweiz, ihre Souveränität aufzugeben»: Historiker Brendan Simms

Herr Simms, Sie vertreten die These, dass sich grosse historische Zäsuren immer infolge von Krisen ereignen. Entscheidet sich in der Eurokrise Europas Schicksal?

Historisch gesehen bringen Krisen immer die Möglichkeit einer Entscheidung mit sich, doch muss dies nicht zwangsläufig so eintreten. Die Entstehung des amerikanischen Bundesstaats Ende des 18. Jahrhunderts und die Vereinigung von England und Schottland 1707 waren beide Antworten auf Krisen. Andere Krisen führten hingegen zu einem Zusammenbruch des Staates. Das Heilige Römische Reich etwa befand sich über Jahrhunderte in einer Dauerkrise, ohne dass es zu Reformen kam, weswegen es 1806 auch unterging. Ähnlich verlief es in Polen im 17. und 18. Jahrhundert, bevor das Land von seinen Nachbarn aufgeteilt wurde. Die Griechenlandkrise könnte also zu einer historischen Lösung führen, sie könnte aber auch den Anfang vom Ende des europäischen Projekts einleiten.

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