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Der Schakal ist sich keiner Schuld bewusst

In Frankreich hat der Prozess gegen den Terroristen Carlos begonnen, der für vier Anschläge in den 80er-Jahren verantwortlich sein soll. Er zeigte sich vor Gericht kampfbetont – und die Richter, die das Urteil fällen, bleiben anonym.

Vor Gericht: Eine Gerichtszeichnung zeigt Carlos in Paris. (13. Mai 2013).
Vor Gericht: Eine Gerichtszeichnung zeigt Carlos in Paris. (13. Mai 2013).
AFP
Der Verteidiger: Der französische Anwalt Francis Szpiner beantwortet vor dem Prozessauftakt die Fragen der Journalisten. (13. Mai 2013)
Der Verteidiger: Der französische Anwalt Francis Szpiner beantwortet vor dem Prozessauftakt die Fragen der Journalisten. (13. Mai 2013)
AFP
Terroristen unter sich: Die Porträts von Ché Guevara (Mitte), dem venezolanischen Guerrilla Brave Douglas (links) und Carlos auf einem Markt in Caracas.
Terroristen unter sich: Die Porträts von Ché Guevara (Mitte), dem venezolanischen Guerrilla Brave Douglas (links) und Carlos auf einem Markt in Caracas.
AFP
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Fast 30 Jahre nach einer Anschlagsserie mit elf Toten in Frankreich muss sich der Terrorist Carlos seit heute vor einem Pariser Sondergericht dafür verantworten. Der 62-jährige Venezolaner mit bürgerlichem Namen Ilich Ramírez Sánchez gab sich kämpferisch und versicherte zu Beginn: «Ich bin Berufsrevolutionär.»

In Abwesenheit verhandelt das Gericht auch gegen die beiden Deutschen Johannes Weinrich und Christa-Margot Fröhlich sowie gegen den Palästinenser Ali Kamal al-Issawi. Die Anwälte von Carlos sprachen zum Auftakt von einem «diskriminierenden» Prozess. Das bis zum 16. Dezember laufende Verfahren finde vor einem Sondergericht für Terrorismus und nicht vor dem sonst üblichen Geschworenengericht statt, kritisierte die Anwältin und Lebensgefährtin des Venezolaners, Isabelle Coutant- Peyre.

Anklage: Terrorismus

Ramírez Sánchez war 1997 in Paris bereits zu lebenslanger Haft wegen der Ermordung zweier Geheimdienstagenten und eines Informanten verurteilt worden. Nun lautet die Anklage erstmals auf Terrorismus.

Der Angeklagte, der mit Verspätung im Kasten aus Panzerglas im Gerichtssaal Platz nahm, erschien in Jeans und blauer Jacke. Anhänger im Publikum grüsste der entspannt wirkende 62-Jährige mit der in die Luft gereckten Faust der Revolution.

Dem Quartett werden vier Anschläge 1982 und 1983 zur Last gelegt, mit denen der Venezolaner seine damalige deutsche Ehefrau Magdalena Kopp und einen Komplizen aus französischer Haft freipressen wollte.

Nach der Festnahme Kopps, die Ende November aussagen soll, hatte Carlos den Behörden ein Ultimatum von 30 Tagen gestellt. Wenige Tage nach Ablauf der Frist explodierte eine Bombe im Zug Paris-Toulouse, die fünf Menschen tötete. Es folgten Anschläge auf das Büro der arabischen Zeitung «Al-Watan», den Bahnhof von Marseille und einen TGV-Schnellzug.

Weinrich und Fröhlich nicht ausgeliefert

Gegen Weinrich, der in Berlin wegen des Anschlags auf das französische Kulturinstitut Maison de France 1983 lebenslang in Haft ist, wird wegen der Bombenexplosion im Zug Paris-Toulouse verhandelt. Ein Berliner Gericht lehnte Ende 2009 eine Auslieferung nach Frankreich ab, da der heute 64-Jährige in Deutschland bereits zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt sei.

Fünf Jahre zuvor hatte das Berliner Landgericht Weinrich, die ehemalige rechte Hand von Carlos, vom Vorwurf der Tatbeteiligung an der Anschlagsserie in Frankreich freigesprochen, da es an Beweisen fehlte.

Fröhlich, die auch unter dem Decknamen Heidi bekannt ist, wird das Attentat auf das «Al-Watan»-Büro zur Last gelegt. Sie hatte deshalb Ende der 1990er Jahre bereits vier Jahre in Frankreich in Untersuchungshaft gesessen und war danach unter Polizeiaufsicht freigelassen worden.

Im Frühjahr 2000 setzte sie sich nach Deutschland ab, wo die heute 69-Jährige im Kreis Neu-Ulm leben soll. Der vierte Angeklagte Al-Issawi ist untergetaucht und wird ebenfalls nicht vor dem Pariser Sondergericht erscheinen.

«Zwischen 1500 und 2000 Tote»

Im Interview mit einer venezolanischen Zeitung hatte Carlos am Sonntag angegeben, für rund hundert Anschläge mit «zwischen 1500 und 2000 Toten» verantwortlich zu sein.

Er soll auch hinter dem spektakulären Überfall auf die Zentrale der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) gestanden haben, bei dem 1975 in Wien mehrere Minister als Geiseln genommen wurden.

SDA/miw

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