Der Döner-Kebab ist gerettet

Das EU-Parlament billigt Phosphate in Döner-Spiessen und bewahrt damit einen ganzen Zweig der Lebensmittelindustrie vor dem Aus. Ob die Zusatzstoffe gesundheitsschädlich sind, ist umstritten.

Die Phosphate sind nach Angaben einiger Hersteller bei tiefgefrorenen Spiessen notwendig, um die Fleischstücke aneinanderzukleben.

Die Phosphate sind nach Angaben einiger Hersteller bei tiefgefrorenen Spiessen notwendig, um die Fleischstücke aneinanderzukleben.

(Bild: Keystone)

Das Europaparlament hat den Vorschlag der EU-Kommission gebilligt, phosphathaltige Zusatzstoffe in tiefgefrorenen Döner-Kebab-Spiessen explizit EU-weit zu erlauben. Der Vorschlag des Gesundheitsausschusses, zunächst eine Untersuchung über mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen von Phosphaten abzuwarten, verfehlte im Plenum mit nur drei Stimmen die notwendige Mehrheit.

Nach der Zustimmung des Europaparlaments kann die Brüsseler Behörde nun mit der gegenwärtigen Situation Schluss machen, die zu unterschiedlichen Regelungen geführt hat: Einige EU-Staaten, darunter Deutschland, tolerieren die Verwendung von Phosphaten in tiefgefrorenen Fleischspiessen, andere nicht.

Die Kommission werde Fleischspiesse nun in eine Liste von Lebensmitteln aufnehmen, für die phophathaltige Zusätze erlaubt sind, erläuterte ein Sprecher des Parlaments. Die Phosphate seien nach Angaben einiger Hersteller bei tiefgefrorenen Spiessen notwendig, um die Fleischstücke aneinanderzukleben.

Linke und Grüne dagegen

Gegen die Zulassung hatten im Parlament vor allem Linke und Grüne gestimmt. Die Entscheidung sei zum jetzigen Zeitpunkt «übereilt und unnötig», kritisierte die SPD-Abgeordnete Susanne Melior. Sie sei vermutlich auch das Ergebnis «der jüngsten Panikmache», betonte sie mit Blick auf einschlägige Presseberichte, die vor allem in Deutschland bereits ein Ende der beliebten türkischen Spezialität prophezeit hatten.

Melior erinnerte daran, dass die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gegenwärtig eine Untersuchung zu phophathaltigen Zusätzen in Nahrungsmitteln vornimmt. Deren Ergebnisse sollen bis Ende 2018 vorliegen. «Ich hätte mir gewünscht, dass die Entscheidung auf einer breiten wissenschaftlichen Basis erfolgt wäre und nicht aufgrund von Panikmache.»

Phosphat bisher nicht erlaubt

Auch der europäische Konsumentenschutzverband BEUC bedauerte das grüne Licht für die Zulassung. Das sei eine «schlechte Nachricht» für die Verbraucher, sagte die Vorsitzende des Verbandes, Monique Goyens. Es gebe Bedenken hinsichtlich möglicher Auswirkungen dieser Zusätze auf die Gesundheit. Zudem werde dadurch das Fleisch verwässert. Daher sei Phosphat in Fleischspiessen bisher nicht erlaubt gewesen - worüber sich manche Hersteller einfach hinweggesetzt hätten. Mangelnde Kontrollen hätten dies in einigen EU-Staaten ermöglicht.

Während einer hitzigen Debatte in der Nacht zum Mittwoch hatte die CDU-Abgeordnete Renate Sommer Sozialdemokraten und Grünen «reine Panikmache» vorgeworfen. Ohne Phosphate wären Döner nur ein «zusammengesackter Fleischhaufen». Im übrigen seien Phosphate bei vielen Lebensmitteln zugelassen, auch bei Kassler. «Würde das wirklich so stark die Gesundheit gefährden, wären wir alle längst todkrank.»

amu/AFP

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt