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«Der beste Angestellte, den wir je hatten»

IS-Kämpfer «Jihadi John» arbeitete früher als IT-Verkäufer. Sein früherer Arbeitgeber war begeistert von Mohammed Emwazi.

Die wahre Identität von «Jihadi John» wurde Ende letzter Woche enttarnt: Mohammed Emwazi, der in Enthauptungsvideos des IS als Täter gefilmt wurde.
Die wahre Identität von «Jihadi John» wurde Ende letzter Woche enttarnt: Mohammed Emwazi, der in Enthauptungsvideos des IS als Täter gefilmt wurde.
Reuters

«Er war der beste Angestellte, den wir je hatten», sagt der frühere kuwaitische Boss von Mohammed Emwazi – heute bekannt als «Jihadi John» – über den damals 21-Jährigen. «Er kannte sich mit Menschen aus. Ruhig und bestimmt. Er kam an unsere Tür und gab uns seinen Lebenslauf», so Emwazis Chef im «Guardian». Emwazi soll der IS-Kämpfer sein, der in den Enthauptungsvideos als Täter zu sehen ist.

Emwazi wurde in Kuwait geboren, wuchs in London auf und kehrte später nach Kuwait zurück. Laut seinem früheren Chef verschwand Emwazi im April 2010 nach einer Reise in die britische Hauptstadt. Seine Angestellten seien damals überrascht gewesen, dass einer, der in London aufwuchs und die britische Staatsbürgerschaft besitzt, nach Kuwait käme. Viele Menschen in Kuwait würden gerne in die andere Richtung gehen.

Kritik an britischer Polizei

Nach der Enthüllung der Identität des IS-Kämpfers «Jihadi John» wird Kritik an der Arbeit der britischen Sicherheitsbehörden laut. Wie die Zeitung «Daily Telegraph» Ende letzter Woche berichtete, hatten der Inlandsgeheimdienst MI5 und die Polizei seit 2009 mindestens zwölfmal Kontakt zu Mohammed Emwazi. Der MI5 soll sogar vergeblich versucht haben, ihn als Informanten zu rekrutieren. Die Sicherheitsbehörden hätten in dem Fall mehrere «dumme Fehler» gemacht, weshalb «Jihadi John» ihnen entwischt sei, schrieb der «Daily Telegraph». Mehrere britische und US-Medien hatten Emwazi, der mehrere westliche Geiseln enthauptet haben soll, am Donnerstag identifiziert. Er soll gebürtiger Kuwaiter und in Westlondon aufgewachsen sein. Er soll für die Ermordung der US-Journalisten Steven Sotloff und James Foley sowie dreier Entwicklungshelfer aus Grossbritannien und den USA verantwortlich sein. Auch in Videoaufnahmen mit zwei japanischen Geiseln war der vermummte Kämpfer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) angeblich zu sehen.

Emwazi soll sich den Berichten zufolge radikalisiert haben, als er im Jahr 2009 nach einem Flug nach Tansania wegen Terrorverdachts festgenommen wurde. Er sei damals vom britischen Geheimdienst beschuldigt worden, auf dem Weg nach Somalia zu sein und über einen Verbindungsmann Kontakt zu der islamistischen Al-Shabaab-Miliz zu haben. Im Jahr 2010 wurde ihm die Reise in sein Heimatland Kuwait verweigert. Dort wollte er nach eigenen Angaben heiraten und einen neuen Job antreten. Obwohl Emwazis Name auf eine Liste von Terrorverdächtigen gesetzt wurde, gelang ihm 2012 die Ausreise nach Syrien.

Die britische Regierung nahm die Sicherheitsbehörden gegen die Kritik in Schutz. Polizei und Geheimdienst machten jeden Tag eine «exzellente Arbeit», sagte Premierminister David Cameron. Die Regierung werde zusammen mit den Sicherheitsbehörden alles dafür tun, «um diese Leute zu finden und sie ausser Gefecht zu setzen».

Der Sicherheitsexperte der Beratungsfirma Global Strat, Olivier Guitta, sagte, die Überwachung einer Person erfordere 30 Beamte. «Man kann einem Mann ein Jahr, zwei Jahre folgen – wenn er nichts tut, muss man es aufgeben», sagte er.

AFP

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