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«Das Mittelmeer gehört zu den tödlichsten Routen der Welt»

UNO-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres fordert neue legale Einreisewege für die Hunderten Migranten, die nach Europa strömen.

Die «Triton»-Mission reicht seiner Meinung nach nicht: UNO-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres in Genf. (3. November 2014)
Die «Triton»-Mission reicht seiner Meinung nach nicht: UNO-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres in Genf. (3. November 2014)
Salvatore Di Nolfi, Keystone

UNO-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres fordert neue Wege zur legalen Einreise, um den Schlepperbanden Einhalt zu gebieten. Die europäische Mission Triton zur Grenzsicherung in Küstennähe genügt laut Guterres nicht. Man müsse jenen Menschen, die ein Anrecht darauf haben, Schutz garantieren, erklärte der Flüchtlingskommissar in einem in der Zeitung «Le Temps» erschienenen Interview.

Zwar befänden sich unter den Migranten, die das Mittelmeer überquerten, auch Wirtschaftsflüchtlinge. Bei der Mehrheit handle es sich aber um Menschen, die vor echter Verfolgung fliehen würden, besonders aus Syrien und Eritrea. Der Weg über das Mittelmeer gehöre zu den «tödlichsten Routen der Welt» im Jahre 2014, sagte Guterres weiter.

Neues «Mare Nostrum» gefordert

Um neue humanitäre Tragödien zu vermeiden, brauche es eine Mission grösseren Umfangs als Triton, so wie Mare Nostrum, erklärte Guterres. Die für Triton bereitgestellten Mittel sind um einiges geringer als diejenigen für den italienischen Rettungseinsatz Mare Nostrum, der im November eingestellt wurde.

Nötig ist laut Guterres zudem eine gemeinsame und harmonisierte Asylpolitik in Europa. Europa verbarrikadiere sich nicht nur gegen aussen, sogar innerhalb Europas gäbe es Mauern. Die unterschiedliche Asylpraxis in Europa führe zu Ungleichgewichten.

Guterres kritisierte im Interview zudem die Abkehr der traditionellen Parteien vom Kampf um Ideologie und Werte. Damit überliessen diese das Feld einerseits dem radikalen Islam, andererseits den populistischen und mehr oder weniger fremdenfeindlichen Kräften.

Italien will Strategie erarbeiten

Nachdem Schlepperbanden zuletzt immer häufiger auf schrottreife, führerlose Frachtschiffe gesetzt haben, um Flüchtlinge nach Europa zu bringen, macht Italien Druck auf die EU für eine gemeinsame Strategie, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten.

«Menschenhändler sind skrupellos. Um sie zu bekämpfen, müssen wir unsere Kräfte vereinen. Italien ist das Land, das in diesem Bereich am meisten geleistet hat. Jetzt werden wir unseren Einsatz an Europas Seite fortsetzen», sagte Innenminister Angelino Alfano.

Er habe diesbezüglich Kontakt zu EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos aufgenommen. Zudem habe Rom auch Kontakte zu türkischen Ermittlern aufgenommen, um Informationen über die Routen der Schlepper auszutauschen.

SDA/thu

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