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«Das Krisenmanagement dieser Tage war verheerend»

Den Vorwurf, bei seiner Doktorarbeit vorsätzlich betrogen zu haben, bestreitet der Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg noch immer. Im dreitägigen Interview mit dem «Zeit»-Chefredaktor erzählt er jedoch noch unbekannte Details – und gesteht Fehler ein.

Erster Auftritt, acht Monaten nach dem Rücktritt: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei der Sicherheitskonferenz Halifax International Security Forum in Kanada vor einigen Tagen.
Erster Auftritt, acht Monaten nach dem Rücktritt: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei der Sicherheitskonferenz Halifax International Security Forum in Kanada vor einigen Tagen.
Keystone

Das Gespräch zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und «Zeit»-Chefredaktor Giovanni di Lorenzo in einem Hotel in London dauerte drei Tage. Die Auszüge in der aktuellen Ausgabe der «Zeit» (Online derzeit nur eine kurze Zusammenfassung verfügbar) erstrecken sich über vier Zeitungsseiten, gegliedert nach thematischen Abschnitten mit den Titeln «Die Doktorarbeit», «Der Skandal», «Alte Parteien, neue Parteien» und «Die Rückkehr».

Auf die Frage, warum der zurückgetretene Minister überhaupt zu diesem Zeitpunkt ein Interview gibt, antwortet Guttenberg, dass es ihm wichtig sei, die Fragen zu einem Zeitpunkt zu beantworten, «an dem meine Erinnerung noch klar genug ist, bevor man also beginnt, die Dinge selbst zu verwischen». Bei den Fragen zu den Gründen der nachgewiesenen Plagiate bleibt Guttenberg allerdings bei der Version, die er den Medien gegenüber bereits zuvor geliefert hatte.

Hektisch und unkontrolliert gesammelt

Guttenberg zufolge war es die Mehrfachbelastung durch die politische Arbeit, Familienleben und Doktorarbeit, die dazu führte, das er unsauber gearbeitet habe. Demnach war der Vorgang der Recherchen für die Doktorarbeit ein gewaltiges Chaos. «Ich war ein hektischer und unkoordinierter Sammler», sagt Guttenberg über seine Materialsammlung und erläutert später: «Eigentlich war das eine Patchworkarbeit, die sich am Ende auf mindestens 80 Datenträger verteilt hat.»

Zudem habe er, so Guttenberg weiter, «die Augen vor der Überforderung verschlossen. Das politische Leben hat mich nicht überfordert, wohl aber die parallele wissenschaftliche Arbeit». Ein wesentlicher Fehler sei gewesen, dass er sich nicht eingestanden habe, damit überfordert zu sein: «Das hatte sicherlich auch mit Hochmut zu tun und mit einem gerüttelt Mass an Eitelkeit.»

Nachfragen – und bekannte Behauptungen

Giovanni di Lorenzo versucht als Interviewer immer wieder, den ehemaligen Minister nicht zu leicht davonkommen zu lassen. «Haben Sie vorsätzlich getäuscht?», fragt er und bekommt letztlich eine Antwort, die man aus Guttenbergs vorherigen Aussagen kennt. Diesmal erklärt er freilich, dass er sich, wenn er wirklich hätte täuschen wollen, «niemals so plump und dumm» angestellt hätte, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall sei. «Warum können Sie, acht Monate danach, nicht einfach sagen: Ich habe abgeschrieben», fragt der Journalist schliesslich. «Ich sage es doch», erwidert der Ex-Minister. «Und wenn Sie sich eingestehen müssten, dass Vorsatz bestanden hat …», fragt er. «… dann würde ich es sagen!»

Im Kapitel «Der Skandal» geht es um die Vorgänge, die schliesslich zum überfälligen und bedrückenden Abgang des CSU-Politikers aus der Bundespolitik führten. «Das Krisenmanagement dieser Tage war verheerend», sagt Guttenberg unumwunden und versucht im Folgenden zu erklären, wie es dazu kam, dass es ihm weder gelang, die Debatte um seine Arbeit auf eine glaubwürdigere Weise früher zu beenden. «Ich hatte das Gefühl, da kulminiert jetzt alles, was in den vergangenen Monaten vorgefallen ist, Kundus, Gorch Fock, der Druck wegen der Bundeswehrreform, da folgt jetzt ein Vorwurf auf den anderen», erzählt er, doch ein erstes Rücktrittsgesuch sei von der Kanzlerin abgelehnt worden.

Rückzug aus der Politik nach heftiger Dauerkritik

Später dann nicht mehr, nachdem die Affäre die Bundesrepublik allzu lange beschäftigt und verärgert hatte, bis die Regierungschefin selbst unter Druck war. Auf die Frage, wer ihn in dieser Zeit beraten habe, antwortet Guttenberg, dass es wahrscheinlich zu viele Ratschläge gab, die sich zum Teil diametral widersprochen hätten: «Einige rieten mir zu bleiben und mich überhaupt nicht auf die Debatte um die Doktorarbeit einzulassen; andere meinten, ich solle sofort den Doktortitel niederlegen und unbedingt weitermachen; wieder andere hielten einen Rücktritt für die beste Lösung.»

Der Druck war gewaltig: Die Proteste aus der Hochschulwelt in Form eines Briefes an die Kanzlerin, der online von 60'000 Menschen unterzeichnet worden war; die Demonstrationen vor dem Verteidigungsministerium – und der gehässige Ausspruch des Politikers Dietmar Bartsch von der Linkspartei: «Früher wusste der Adel, was an so einer Stelle zu tun ist». Guttenberg erzählt die Geschichte im Interview zu Ende: «Bartsch hat sich am nächsten Tag per Handschlag im Beisein von Kollegen entschuldigt.» Di Lorenzo fragt: «Haben Sie die Entschuldigung angenommen?». Die Antwort: «Ja.»

Blick in die Zukunft: «Ich schliesse nichts aus»

Ob und auf welche Weise er je in die Politik zurückkehren will und werden könnte, beantwortet der ehemalige Bundesminister klugerweise nicht konkret. «Noch einmal: Ich schliesse nichts aus, aber es gibt bislang keine Intention. Aber ich werde mit Sicherheit in meine Heimatland zurückkehren und ein politischer Kopf bleiben».

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