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Das ist der Kronfavorit für Papandreous Nachfolge

Lucas Papademos könnte heute die Nachfolge von Giorgios Papandreou antreten. Der ehemalige EZB-Vize gilt als Eurofreund und bringt gegenüber den anderen Kandidaten einen entscheidenden Vorteil mit.

Beliebt in der europäischen Politik und Wirtschaft: Lucas Papademos.
Beliebt in der europäischen Politik und Wirtschaft: Lucas Papademos.
Keystone

Der Name des griechischen Wirtschaftsprofessors Lucas Papademos (64) ist mit dem Euro fest verbunden. Bis Mitte vergangenen Jahres war er Vizepräsident der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Seine Wahl zum Premierminister einer Athener Übergangsregierung wäre ein Ausdruck des Willens der Griechen, den Euro zu behalten.

Auch wenn Papademos nur selten Schlagzeilen machte, tat er hinter den Kulissen sein Möglichstes, um ein Auseinanderbrechen der 17 Euro-Länder zu verhindern. Unter anderem verantwortete er die Ankäufe von Staatsanleihen der Euro-Länder in Schwierigkeiten. Ausserdem half er den 6000 bei der EZB registrierten Banken, auch für faule Kredite fast unbegrenzt günstige Kredite zu bekommen.

Bankenhilfen und Käufe der Staatsanleihen mitentschieden

«Wir sind Lucas sehr dankbar», sagte der ehemalige EZB-Chef Jean-Claude Trichet zu Papademos' Abschied 2010. «Als die Banken ins Rutschen kamen, war Lucas einer der wichtigsten Gestalter ihrer Stabilisierungshilfen.» Der renommierte Experte Papademos hat in seiner Frankfurter Zeit international viele Freunde gewonnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und alle anderen, die Griechenland mit Milliarden unterstützen wollen, können auf ihn zählen.

Papademos könnte das von Premier Giorgios Papandreou verspielte Vertrauen wiederherstellen. Sein grösster Vorteil: Er tritt einen Job an, den er nie wollte. Damit braucht er bei den politischen Mätzchen nicht mitzumachen, die die Griechen fast aus dem Euro katapultiert hätten.

Kann der introvertierte Professor die Griechen mitnehmen?

Kein Politiker zu sein ist jedoch auch ein Nachteil, denn der introvertierte Denker hat eine Schwäche: Er ist keiner, der die Öffentlichkeit liebt. Er doziert lieber vor einem kleinen Kreis von Zuhörern und verliert sich in Wirtschaftstheorien. Das würde es ihm erschweren, das Volk mitzunehmen.

Als EZB-Vize sass Papademos bei den monatlichen Pressekonferenzen regelmässig an der Seite Jean-Claude Trichets, der seinerseits am vergangenen Dienstag die Präsidentschaft an den Italiener Mario Draghi übergeben hatte. Vor der in Frankfurt versammelten Presse kam Papademos kaum mal ein Wort über die Lippen. Er nahm lieber Journalisten, die ihm bekannt waren, bei anderen Gelegenheiten zu einem Wort im Stillen zur Seite. Auch dann achtete auf jedes Wort.

Spitzname «Papa»

Papademos müsste den Griechen nur mehr von seiner gutmütigen und freundlichen Art zeigen, die ihm in EZB-Kreisen den Spitznamen «Papa» eingebracht hatte. Soviel Offenheit ist er aber nicht gewohnt. Das griechische Volk wird bei der Wahl im kommenden Jahr mitreden dürfen.

dapd/mrs

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