Zum Hauptinhalt springen

Das FBI eilt Schweden zu Hilfe

Der mutmassliche Attentäter hatte bereits im Internet mit extremen Thesen schockiert. Weshalb er der Polizei trotzdem nicht auffiel, untersuchen zurzeit schwedische Behörden. Unterstützung erhalten sie aus den USA.

Hatte bei der Planung des Attentats möglicherweise Komplizen: Taimur Abdel Wahab.
Hatte bei der Planung des Attentats möglicherweise Komplizen: Taimur Abdel Wahab.
AFP
Sollen in Stockholm bei den Ermittlungen helfen: FBI-Agenten aus den USA (Archivbild).
Sollen in Stockholm bei den Ermittlungen helfen: FBI-Agenten aus den USA (Archivbild).
Reuters
Hohes Sicherheitsaufgebot: Schwedische Polizisten in Stockholms Innenstadt.
Hohes Sicherheitsaufgebot: Schwedische Polizisten in Stockholms Innenstadt.
Keystone
1 / 8

Nach dem fehlgeschlagenen Attentat in Stockholm will die US-Bundespolizei FBI die Ermittler in der schwedischen Hauptstadt mit Bombenexperten unterstützen. «Das FBI schickt eine Gruppe von sieben Experten», sagte eine Sprecherin des schwedischen Polizeigeheimdienstes Säpo, Sara Kvarnstöm, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Das FBI habe nach dem Anschlagsversuch vom Samstag seine Hilfe angeboten, Schweden nehme diese an.

Mitten im vorweihnachtlichen Trubel hatten am Samstag zwei Explosionen die Stockholmer Innenstadt erschüttert. Durch eine Autobombe wurden zwei Menschen leicht verletzt, bei einer weiteren Explosion kam der Selbstmordattentäter ums Leben. Der Staatsanwaltschaft zufolge handelt es sich bei dem Attentäter um einen aus dem Nahen Osten stammenden schwedischen Staatsbürger. Islamismus-Experten zufolge könnte der irakische Ableger von al-Qaida hinter dem ersten Selbstmordanschlag in der Geschichte Schwedens stecken.

Droh-Email vor dem Anschlag

In einer kurz vor dem Anschlag in Arabisch und Schwedisch verschickten Droh-E-Mail war von «Aktionen» gegen den schwedischen «Krieg gegen den Islam» die Rede. Gemeint war damit neben der schwedischen Militärpräsenz in Afghanistan offenbar auch der Karikaturist Lars Vilks, der den Propheten Mohammed als Hund dargestellt hatte.

Vilks sprach angesichts des fehlgeschlagenen Anschlags von einer «neuen Strategie», die sich gegen die freie Meinungsäusserung richte. «Ich habe viele Anrufe und E-Mails von Leuten bekommen, die mir vorwerfen, das schwedische Volk in diese Situation gebracht zu haben», sagte Vilks am Montag zu AFP. «Sie sagen, dass es meine Schuld ist.»

Er könne das Bedürfnis verstehen, einen Verantwortlichen für die Situation zu finden, fügte Vilks hinzu. Eine Demokratie müsse jedoch auf demokratischen Entscheidungen beruhen. «Wenn Gotteslästerung verboten werden soll, muss das demokratisch entschieden werden. Man kann nicht einfach die Regeln ändern, nur weil jemand droht, sonst eine Bombe zu zünden.»

Mit extremistischen Thesen schockiert

Der mutmassliche Selbstmordattentäter, Taimur A., hatte zuvor in seiner Moschee in England mit extremistischen Thesen schockiert. Im Internet verbreitete er Videos von tschetschenischen Kämpfern und misshandelten Gefangenen im Irak. Für die Behörden bleibt manche Frage zu klären - wann und wie er radikalisiert wurde etwa, und ob er Komplizen hatte. Vor allem aber, wie ein Mann ihrer Aufmerksamkeit entgehen konnte, der seine islamistischen Ansichten so offen zur Schau stellte.

Der schwedische Staatsanwalt Tomas Lindstrand sagte am Montag, man sei sich «zu 98 Prozent sicher», dass es sich bei dem Attentäter, der sich am Samstag in einer Stockholmer Einkaufsstrasse in die Luft sprengte, um Taimur A. handele. Bis zu dem Anschlag sei der Mann den Behörden nicht bekannt gewesen. Schweden sei kein Überwachungsstaat, in dem die Facebook-Profile der Bürger kontrolliert würden, erklärte Lindstrand. Zugleich betonte er, dass Taimur A. bereits vor fast zehn Jahren seinen Wohnsitz nach Grossbritannien verlegt hatte.

Nach bisherigen Erkenntnissen kam der in Bagdad geborene mutmassliche Attentäter im Jahr 1992 nach Schweden. Zum Studium zog er 2001 ins britische Luton. Nach einem Abschluss an der Universität von Bedfordshire nahm der schwedische Staatsbürger in Luton Kontakt zu einem islamischen Zentrum auf. Farasat Latif, der Leiter des Zentrums, beschreibt Taimur A. als einen «freundlichen und temperamentvollen» Mann. Als er zunehmend radikale Ansichten zu vertreten begann, habe man ihn zur Rede gestellt. Daraufhin sei er in dem Zentrum nie wieder gesehen worden.

Professionell vorbereitetes Attentat

In einer Audio-Botschaft, die rund zehn Minuten vor dem Anschlag bei den Sicherheitsbehörden sowie bei der schwedischen Nachrichtenagentur TT einging, erklärte Taimur A., er habe sich in den Nahen Osten begeben, um sich dort auf den Jihad vorzubereiten. Lindstrand zufolge war Taimur A. bei der Ausführung des Anschlags allein. Es sei jedoch gut möglich, dass er bei der Vorbereitung von anderen unterstützt wurde. Trotz des Fehlschlags sei das Attentat sehr professionell vorbereitet gewesen. In der Botschaft wurde Bezug auf den Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan genommen.

Bei dem Absender der Nachricht und dem später bei einem getöteten mutmasslichen Attentäter handele es sich um ein und dieselbe Person, teilte eine Sprecherin der schwedischen Polizei am Montag mit. Das Auto, in dem die erste Bombe am Samstag explodierte, sei auf seinen Namen registriert gewesen. Es habe bisher jedoch keinen DNA-Abgleich gegeben, auch sei die Leiche des Mannes bisher nicht von seinen Angehörigen identifiziert worden.

Bereits am Sonntag durchsuchte die britische Polizei eine Wohnung in Bedfordshire. Es gab keine Festnahmen, und es wurde auch kein «gefährliches Material» gefunden, wie die Behörden erklärten. Bei den zwei Detonationen in einer belebten Einkaufsstrasse in Stockholm waren am Samstag zwei Menschen verletzt worden, der Attentäter kam ums Leben.

dapd/afp/ske

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch