Cohn-Bendits Hosenladen-Gate

Pädophile Verstrickungen in den Gründerjahren beschäftigen die deutschen Grünen. Keine guten Aussicht auf die kommenden Wahlen. Ein Kommentar.

Die Bundesvorsitzende Claudia Roth von den Grünen, verwirft die Hände. Die pädophilen Verstrickungen aus den Gründerjahren der Partei, lenken komplett vom Wahlkampf ab.

Die Bundesvorsitzende Claudia Roth von den Grünen, verwirft die Hände. Die pädophilen Verstrickungen aus den Gründerjahren der Partei, lenken komplett vom Wahlkampf ab.

(Bild: Keystone)

Die deutschen Grünen sind in Panik. Dieses Wochenende finden Wahlen statt, aber niemand interessiert sich für die politischen Forderungen der Partei mit den Sonnenblumen-Plakaten. Denn seit Monaten beherrscht ein einziges Thema die Diskussionen um die grüne Partei: deren pädophile Verstrickungen in den Gründerjahren. Ins Schlamassel geraten war die Partei ausgerechnet in dem Moment, als ihr Starpolitiker, der deutsch-französische Europarlamentarier Daniel Cohn-Bendit, mit dem renommierten Theodor-Heuss-Preis geehrt wurde. Der angekündigte Laudator Andreas Vosskuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, sagte jedoch seine Festrede kurzfristig ab. Er wolle nicht den Eindruck erwecken, gewisse Äusserungen, die Cohn-Bendit früher gemacht habe, zu billigen.

Vosskuhle bezog sich auf dessen Buch «Der Grosse Basar», worin der Europolitiker von seiner Zeit als Kindergärtner in einem antiautoritären Frankfurter Kindergarten Anfang der 70er-Jahre erzählt. Er schrieb unter anderem freimütig von Doktorspielen mit den Kleinen, davon, wie einige Kinder ihm den «Hosenlatz geöffnet» und ihn «gestreichelt» hätten, und er sie ebenfalls «gestreichelt» habe, wenn sie «darauf bestanden» hätten. Die Idee sei gewesen, sich «so zu verhalten, dass es den Kindern möglich war, ihre Sexualität zu verwirklichen». Und: «Mein ständiger Flirt mit Kindern nahm bald erotische Züge an. Ich konnte richtig fühlen, wie die kleinen Mädchen von fünf Jahren schon gelernt hatten, mich anzumachen.»

Schatten der Vergangenheit

Die Absage Vosskuhles war ein Eklat, und einzelne Medien begannen sich über Cohn-Bendit hinaus genauer mit dem Verhältnis der Grünen generell zur schlüpfrigen Kinderliebe zu befassen. Sie berichteten, wie die 1980 gegründete Partei bis weit in die Achtziger hinein immer wieder gleichsam als parlamentarischer Arm der Pädophilenbewegung agiert hatte. So wurde beispielsweise die parteiinterne «Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle» (BAB SchwuP) von der Bundespartei und der Bundestagsfraktion finanziert. Die SchwuP sprach sich offen dafür aus, «einvernehmlichen» Sex von Erwachsenen mit Kindern jeglichen Alters zu legalisieren. Dies war auch die Forderung der «Stadt­indianer», einer informellen Gruppe von Päderasten und Freaks innerhalb der grünen Bewegung. Sie tauchten an Parteitagen auf und machten lautstark Propaganda für freien Kindersex.

Konfrontiert mit den Schatten der Vergangenheit, wehrten die grünen Granden ab, dies seien isolierte Positionen gewesen. Dem widersprach jedoch Cohn-Bendit in einem «Spiegel»-Interview: «Sie müssen sich nur die Anträge zur Altersfreigabe beim Sex mit Erwachsenen ansehen. Das war bei den Grünen Mainstream.» Dies bestätigt der von den bedrängten Grünen eingesetzte wissenschaftliche Gutachter. Er präsentierte vor Kurzem unter anderem ein Wahlprogramm der Grünen Liste Göttingen von 1981. Es wollte sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern straffrei stellen. Presserechtlich verantwortlich für das Wahlpamphlet zeichnete Jürgen Trittin, heute Spitzenkandidat der Grünen bei den Bundestagswahlen.

«Stehen auf Seite der Opfer»

Cohn-Bendit bestreitet jeglichen realen Missbrauch von seiner Seite und bezeichnet seine damaligen Aussagen zwar als «hässlich» und «wirr», aber als reine «spätpubertäre Provokation», als literarische «Verdichtung» von Diskussionen. «Ich stand in allen meinen Kämpfen moralisch auf der richtigen Seite. Zum ersten Mal stehe ich auf der falschen Seite», wundert sich der 68-jährige Langzeit-Linksradikale angesichts der öffentlichen Empörung um sein Hosenladen-Gate. Er drückt damit die Gefühle seiner Parteifreunde aus. Die Grünen sehen sich als die besseren Menschen. Sie stehen auf der Seite der Opfer, sie schützen die Frauen, die Kinder, die Ausländer, die bedrohten Lurche und die ausgebeutete Natur. Und nun werden sie plötzlich mit Kinderschändern in Verbindung gebracht.

Dies sei eine «Schmutzkampagne» der Union, schimpft Trittin, und man kann seine Empörung sogar ein wenig verstehen. Die Grünen hatten von den Medien bisher nicht viel zu befürchten gehabt. Die Kindersex-Vergangenheit und andere Leichen im Keller der Partei – wie die Sympathien vieler prominenter Gründerfiguren für Terror, Stadtguerilla und stalinistische Massenmörder – waren ein offenes Geheimnis. Dass darüber kaum geschrieben wurde, hat damit zu tun, dass die meisten Journalisten mit Rot-Grün sympathisieren. Und wer es trotzdem wagte, diese Geschichten auszugraben, wurde wie die Publizistin Bettina Röhl als psychisch und charakterlich angeschlagene Person abqualifiziert. Die Tochter von Ulrike Meinhof hatte Joschka Fischers Zeit als rabiater Frankfurter Politschläger enthüllt und schon vor zwölf Jahren auf Cohn-Bendits sexualpädagogischen Abirrungen aufmerksam gemacht.

Heftige Debatten unter den 68ern

Die kritische Durchleuchtung der trüben grünen Verwandtschaften durch die Medien ist neu und erfreulich. Aber sie sollte weiter gehen. Cohn-Bendit hätte noch viel zu erzählen. Über den französischen Philosophen René Schérer zum Beispiel, von dem er beeinflusst war. Dessen Essay «Das dressierte Kind» erschien 1975 im linken Wagenbach-Verlag. Schérer sang darin das Hohelied der pädophilen Liebe, feierte hymnisch die sexuelle Beziehung zwischen Lehrer und Kind als Ursprung und Utopie jeder Pädagogik. Zusammen mit seinen Kollegen Foucault, Deleuze und Guattari propagierte er während den 70er-Jahren die Auflösung aller sexuellen Grenzen zwischen den Geschlechtern und Generationen und verhöhnte in den angesehensten linken Zeitungen die traditionelle Form der Familie und der Scham, gelehrt, elegant, provozierend.

Die Affäre «Coral» im Jahre 1982, ein gewaltiger Missbrauchsskandal in einem Heim für leicht behinderte Kinder und Jugendliche, das von Freunden der antiautoritären Philosophen geführt wurde, verursachte heftige Debatten unter den 68ern und beendete die intellektuelle Idealisierung der absoluten sexuellen Freiheit und der Päderastie. Schérer geriet in Vergessenheit. Hätten die deutschen Journalisten von den Franzosen gelernt und schon damals ihre Aufgaben gemacht, wären die Grünen gezwungen gewesen, ihr Haus von Beginn weg in Ordnung zu bringen. Und die heutige schändliche Peinlichkeit wäre ihnen erspart geblieben.

Basler Zeitung

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