Zum Hauptinhalt springen

Chodorkowski will offenbar in die Schweiz

Chodorkowski will nicht nach Russland zurückkehren, wo ihm eine millionenschwere Zivilklage droht. Er will dem Vernehmen nach in die Schweiz. Heute trifft er erstmals nach zehn Jahren seine ganze Familie.

Wird erst einmal zur Ruhe kommen müssen: Der Ex-Oligarch steht den Medien Rede und Antwort.
Wird erst einmal zur Ruhe kommen müssen: Der Ex-Oligarch steht den Medien Rede und Antwort.
AP Photo/Michael Sohn
Auf der Medienkonferenz: Michail Chodorkowski in Berlin.
Auf der Medienkonferenz: Michail Chodorkowski in Berlin.
Reuters
Nach wenigen Monaten hätten Chodorkowski und Lebedew das Gefängnis verlassen können. Doch sie wurden zu einem zweiten Prozess bestellt – und am 27. Dezember 2010 erneut verurteilt.
Nach wenigen Monaten hätten Chodorkowski und Lebedew das Gefängnis verlassen können. Doch sie wurden zu einem zweiten Prozess bestellt – und am 27. Dezember 2010 erneut verurteilt.
PD
1 / 37

Der aus dem Straflager entlassene Ex-Öl-Milliardär Michail Chodorkowski könnte im Jahr 2015 auch ohne Bezahlung seiner Millionenschulden beim russischen Staat nach Moskau zurückkehren. Die Staatsduma bereite ein Gesetz vor, das künftig eine private Bankrotterklärung ermögliche, sagte der Parlamentsabgeordnete, Sergei Gawrilow, der Zeitung «Iswestija».

Der von Präsident Wladimir Putin begnadigte frühere Kremlgegner hat nach offiziellen Angaben 17,5 Milliarden Rubel (rund 480 Millionen Franken) Schulden beim russischen Staat. Die Summe geht zurück auf ein umstrittenes Strafverfahren von 2003 wegen Steuerbetrugs bei Chodorkowskis inzwischen zerschlagenem Ölkonzern Jukos.

Verzicht auf früheres Eigentum

Der einst reichste Mann Russlands hatte in seinem Exil in Berlin erklärt, dass ihn auch ein Rechtsstreit um diese Summe von einer Rückkehr nach Russland abhalte. Chodorkowski geht davon aus, dass Putin ihn begnadigt hat, weil er ausreiste. Ausserdem verzichtet Chodorkowski auf die Rückgabe seines früheren Eigentums und darauf, die russische Opposition zu unterstützen.

Chodorkowski wird nach Angaben einer seiner Sprecherinnen heute in Berlin seine Frau Inna und die gemeinsamen drei Kinder treffen. «Die Familie wird heute ankommen», sagte die Sprecherin Olga Pispanen der Nachrichtenagentur AFP in Moskau. «Sie waren zehn Jahre lang nicht vereint.»

Chodorkowski will dem Vernehmen nach in die Schweiz, wo seine beiden Zwillingssöhne zur Schule gehen. «Er wartet auf die Ankunft seiner Familie. Sie werden sich zusammensetzen und das alles besprechen», sagte Pispanen.

Mehr als zehn Jahre in Haft

Am Samstag hatte Chodorkowski in Berlin seine Eltern Marina und Boris sowie seinen ältesten Sohn Pawel getroffen, der in den USA lebt. Der Kreml-Kritiker war als Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos 2003 festgenommen und wegen umstrittener Finanzgeschäfte in zwei Prozessen zu langjähriger Lagerhaft verurteilt worden.

Am Freitag wurde er nach mehr als zehn Jahren begnadigt und freigelassen, woraufhin er nach Berlin reiste. Nach eigenen Worten strebt der frühere Ölmagnat weder in die Politik noch zurück ins Wirtschaftsleben, will aber politischen Gefangenen in Russland helfen.

sda/AFP/wid/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch