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Carola Rackete, weisse Männer und der Samenstau

Eine Studie zeigt: Der Frauenmangel in Ostdeutschland macht die Männer empfänglich für die Hasstiraden von Pegida und AfD.

Das einzige «Verbrechen», dessen sich Carola Rackete in den Augen der Rechten schuldig gemacht hat: Sie hat Menschen vor dem sicheren Tod gerettet.
Das einzige «Verbrechen», dessen sich Carola Rackete in den Augen der Rechten schuldig gemacht hat: Sie hat Menschen vor dem sicheren Tod gerettet.
Keystone

«Die Angst des weissen Mannes vor der starken Frau.» Mit diesen Worten versuchte die amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt zu erklären, warum ein Donald Trump 2016 die Präsidentschaftswahlen gegen Hillary Clinton gewinnen konnte. In einem Interview mit dem «Spiegel» sagte die Grünen-Politikerin Katharina Schulze aus dem benachbarten Freiburg: «Ich glaube, es verträgt sich einfach nicht mit dem Weltbild der Rechten, dass es Frauen gibt, die klar und deutlich ihre Meinung vertreten.» Frauen gehören an den Herd, sollen Kinder gebären, die Beine breit machen, wann immer Mann das will, und sonst die Klappe halten – so das Weltbild.

Unzählige Beispiele belegen, mit wie viel Hass die Rechten starke Frauen verfolgen: Die weiblichen Kongress­abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, Rashida Tlaib, Ilhan Omar und Ayanna Pressley werden von Donald Trump angefeindet. Sie sind Frauen, sie sind nicht mal weiss, sie sind stark, sie vertreten ihre eigene Meinung. Diese Mischung bringt jede rechte Seele zum Schäumen.

Jüngstes Beispiel: die deutsche Kapitänin Carola Rackete, eine starke Frau, die es erst noch gewagt hat, in eine Männerdomäne einzubrechen, die Seefahrt. Das einzige «Verbrechen», dessen sie sich in den Augen der Rechten schuldig gemacht hat: Sie hat Menschen vor dem sicheren Tod gerettet. Statt dass sie einhellig für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen wird, wird sie als Schlampe beleidigt, als Schlepperin verleumdet und mit Morddrohungen zugeschüttet. Die rechten Hetzer wollen Carola Rackete ermorden, und die Menschen, die sie gerettet hat, die hätte sie doch besser ersaufen lassen.

Empfänglich für Hasstiraden

Angst vor starken Frauen und ein faschistoides Frauenbild paaren sich in gewissen Regionen – so absurd das klingen mag – mit einem akuten Mangel an Frauen. Eine Studie hat gezeigt, dass zwei Drittel der Ostdeutschen, die nach der Wende in den Westen zogen, Frauen waren, meist gut gebildete Frauen. Dieser Frauenmangel mache die Männer empfänglich für die Hasstiraden von Pegida und AfD, heisst es in der Studie. Aus Frust wird Hass, Hass auch auf die Frauen, dieses für sie unerreichbare Objekt der Begierde.

Die Kölner Komödiantin Carolin Kebekus drückt sich nicht so intellektuell aus wie die New Yorkerin Siri Hustvedt. Bei Kebekus tönt das dann so: «Die gut gebildeten jungen Frauen hauen ab. Zurück bleibt der frustrierte, untervögelte Mann und wählt die AfD. Ein kollektiver Samenstau ­eskaliert im erigierten rechten Arm.»

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