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Cameron droht IS mit Vergeltung

«Wahrhaft abstossend und barbarisch»: Der britische Premier zeigt sich entsetzt über den Mord an Landsmann Alan Henning durch die IS-Miliz – und will nun alle Mittel einsetzen, um die Jihadisten zu stoppen.

«Kein Niveau der Verderbtheit, auf das sie sich nicht herablassen. Alle Appelle haben nichts genützt»: Der britische Premier David Cameron reagiert auf die Ermordung von Landsmann Alan Henning. (4. Oktober 2014)

Die vierte Enthauptung einer westlichen Geisel durch die Terrormiliz Islamischer Staat hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Der britische Premierminister David Cameron zeigte sich durch die «völlig unverzeihliche» Ermordung seines Landsmanns Alan Henning bestärkt im internationalen Vorgehen gegen die sunnitischen Extremisten. «Kein Niveau der Verderbtheit, auf das sie sich nicht herablassen. Alle Appelle haben nichts genützt», sagte Cameron nach einer Unterrichtung durch seine Sicherheitsexperten.

Der einzige Weg, die Terrormiliz davor zu stoppen, weitere Geiseln zu ermorden, sei durch militärische Angriffe, betonte Cameron, dessen Streitkräfte kürzlich erstmals den IS im Irak bombardiert hatten. «Jeder der noch Zweifel über diese Organisation hat, kann jetzt sehen wie wahrhaft abstossend und barbarisch sie ist.» Ob Grossbritannien eine Ausweitung seiner Angriffe auf den IS in Syrien - wo das Video mutmasslich aufgenommen wurde - in Erwägung zieht, wollte Cameron nicht sagen.

Enthaupter mit britischem Akzent

Das Video von der Enthauptung des 47-jährigen Alan Henning wurde gestern Abend in den üblichen Internet-Kanälen der IS-Terroristen veröffentlicht. Es ähnelte Aufnahmen von der Ermordung der US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie des britischen Entwicklungshelfers David Haines. Das jüngste Video endet mit einer Drohung, eine weitere US-Geisel zu töten.

«Obama, du hast deine Luftangriffe auf Syrien gestartet, die unsere Leute treffen. Deshalb ist es nur richtig, dass wir damit weitermachen, die Hälse deiner Leute zu treffen», sagte der vermummte Enthaupter in dem Henning-Video. Er sprach mit demselben britischen Akzent wie der Mörder in den vorherigen Videos.

«Ein brutaler Mord»

Henning war im Dezember als Fahrer eines Ambulanzwagens mit einem Hilfskonvoi nach Syrien gekommen. Kurz hinter der türkischen Grenze wurde er entführt. Das von ihm gefahrene Auto war mit Lebensmitteln und Wasser beladen. In Moscheen in ganz Grossbritannien wurde zu Beginn des muslimischen Opferfestes am Samstag an Henning erinnert. «Millionen sollten heute für Alan Henning beten, einen guten und ehrhaften Mann», sagte der muslimische Friedensaktivist Shaukat Warraich vor einer Moschee in Birmingham.

US-Präsident Barack Obama sprach von einem «brutalen Mord». Das Bündnis gegen den IS werde dafür sorgen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Auch derUN-Sicherheitsrat und Frankreichs Präsident François Hollande verurteilten die Tat.

Weitere Geisel in der Gewalt des IS

Als Nächstes will der IS nach eigenen Angaben einen 26-jährigen Amerikaner namens Peter Kassig töten, der 2007 als Soldat im Irak gekämpft hatte. Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Caitlin Hayden, bestätigte am späten Abend, dass sich Kassig in den Fängen der Milizen befinde. «Zu diesem Zeitpunkt haben wir keinen Grund, an der Echtheit des Videos zu zweifeln», sagte Hayden.

Die Eltern von Kassig haben die Entführer in einem Video um seine Freilassung angefleht. «Wir flehen seine Kidnapper an, sich zu erbarmen und ihre Macht zu nutzen, um unseren Sohn gehen zu lassen», sagten die Eltern des Entwicklungshelfers Peter Kassig in dem Video.

Sie hätten die US-Regierung vergebens gebeten, ihr Vorgehen im Irak und in Syrien zu ändern. «Wie unser Sohn haben wir nicht mehr Kontrolle über die US-Regierung als Sie über die Morgendämmerung haben», richtete sich Kassigs Vater an IS.

Der 26 Jahre alte Kassig hatte nach einem Bericht der «Washington Post» von April bis Juli 2007 als Soldat im Irak gedient und war nach seiner Zeit bei der US-Armee als Entwicklungshelfer nach Syrien gegangen. In der Türkei gründete er seine eigene Hilfsorganisation. Nach seinem Verschwinden am 1. Oktober in der IS-Hochburg al-Raqqa war er zum Islam konvertiert und hatte den Vornamen Abdul-Rahman angenommen.

SDA/ajk

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