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Britische Geheimdienstler hörten Diplomaten ab

Der Überwachungsskandal erreicht die Britischen Inseln: Laut Enthüllungen, die ebenfalls vom US-Informanten Edward Snowden stammen, wurden in Grossbritannien die E-Mails von Diplomaten gehackt.

Der Grüne Hans-Christian Ströbele traf sich Ende Oktober mit Whistleblower Edward Snowden. Aber viele EU-Abgeordnete fürchten sich vor dem Zorn der USA.
Der Grüne Hans-Christian Ströbele traf sich Ende Oktober mit Whistleblower Edward Snowden. Aber viele EU-Abgeordnete fürchten sich vor dem Zorn der USA.
Hans-Christian Ströbele Office, Keystone
Floh nach seinen Enthüllungen nach Russland: Edward Snowden, hier noch in Hongkong. (9. Juni 2013)
Floh nach seinen Enthüllungen nach Russland: Edward Snowden, hier noch in Hongkong. (9. Juni 2013)
Keystone
An ihn wandte sich der 29-Jährige mit seinen brisanten Informationen: Glenn Greenwald, Journalist des britischen «Guardian», gibt selber ein Interview. (10. Juni 2013)
An ihn wandte sich der 29-Jährige mit seinen brisanten Informationen: Glenn Greenwald, Journalist des britischen «Guardian», gibt selber ein Interview. (10. Juni 2013)
Keystone
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Britische Spione haben laut einem Bericht der britischen Zeitung «The Guardian» die E-Mail-Konten und Mobiltelefone der Teilnehmer von G-20-Gipfeln in Grossbritannien ausgespäht. Die Enthüllung droht zu diplomatischen Verstimmungen bei dem am (heutigen) Montag beginnenden G-8-Treffen zu führen, bei dem Grossbritannien wieder Gastgeberland ist. Premierminister David Cameron wollte den Zeitungsbericht nicht kommentieren und auch der Geheimdienst GCHQ schwieg zu den Vorwürfen, die der «Guardian» auf Grundlage von geheimen Dokumenten veröffentlichte.

Das Blatt erhielt die Unterlagen vom amerikanischen Whistleblower Edward Snowden, der zuvor bereits Praktiken des US-Geheimdienstes NSA enthüllt hatte, für den er tätig war. Seine Enthüllungen haben eine Debatte über das Ausmass der Datensammlung durch westliche Geheimdienste entfacht.

«Verwanztes »Internet-Café

Durchgeführt wurden die Abhöraktionen laut «Guardian» vom britischen Abhördienst vom Government Communications Headquarters (GCHQ) zum Beispiel beim G-20-Gipfel 2009 in London. Snowden habe mehr als ein halbes Dutzend interne Dokumente geliefert, die GCHQ-Operationen wie beispielsweise das Hacken in das Computernetzwerk des südafrikanischen Aussenministeriums belegten. Auch die türkische Delegation sei Ziel von GCHQ-Aktionen gewesen. Es sei sogar ein «verwanztes» Internet-Café eingerichtet worden.

«Die diplomatischen Auswirkungen hiervon könnten beträchtlich sein», sagte der britische Wissenschaftler Richard Aldrich, der ein Buch über die Geschichte des GHCQ geschrieben hat.

Auf dem G-8-Gipfel in Nordirland erklärte Gastgeber Cameron, weder seine noch eine der Vorgängerregierungen hätte öffentlich britische Geheimdienstoperationen angesprochen, eine Praxis, die sich auch nicht ändern werde. «Wir kommentieren nie Sicherheits- oder Geheimdienstthemen und ich werde jetzt nicht damit anfangen.»

Snowden überliess dem «Guardian» mehrere interne Regierungsdokumente. Ein Teil des Materials wurde auf der Webseite des «Guardians» veröffentlicht, allerdings mit erheblichen Schwärzungen. Ein Sprecher der Zeitung sagte, das sei auf eigene redaktionelle Initiative erfolgt. Weiter erklären wollte er das nicht.

Zum präparierten Internet-Café hiess es, auf diese Weise hätten sich die Spione über Tastatureingaben Informationen beschafft, wie sich Diplomaten in ihren Systemen anmeldeten. «Das bedeutet, das wir nachhaltige Geheimdienstoptionen gegen sie haben, selbst wenn die Konferenz vorbei ist», zitiert der «Guardian» ein Dokument. An den Rechnern on dem Internet-Café hätte dafür vorab schädliche Software installiert werden müssen. Aldrich kommentierte, das sei besonders raffiniert. «Das ist ein bisschen ‹Mission Impossible'», sagte er in Anspielung auf einen Spionage-Thriller.

Warum Snowden Zugang zu geheimen britischen Geheimdienstdokumenten hatte, wurde nicht richtig klar. Allerdings erwähnt der «Guardian» in einem Artikel, dass das Material von einem streng geheimen internen Netzwerk stamme, das GHCQ und NSA benutzen. Aldrich sagte, er wäre nicht überrascht, wenn das Material von einem gemeinsamen Netzwerk kommen sollte, zu dem Snowden Zugang gehabt habe. Beide Geheimdienstbehörden arbeiteten so eng zusammen, dass sie in manchen Bereichen praktisch als Einheit aufträten.

In einem Dokument schien sich das GCHQ mit dem Anzapfen von Smartphones von Diplomaten zu brüsten. So zitiert der «Guardian» ein Dokument, in dem es heisst: «Fähigkeiten gegen BlackBerry haben Vorab-Kopien von G-20-Briefings an Minister» ermöglicht. Die «diplomatischen Ziele aus allen Nationen» hätten ein «MO» - eine Angewohnheit -, Smartphones zu benutzen, hiess es weiter. Dies sei von Spionen bei den G-20-Treffen ausgenutzt worden.

AP/chk

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