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Bericht: Kameras bei Nemzow-Mord ausgeschaltet

Wie die Moskauer Zeitung «Kommersant» berichtet, sind mehrere Überwachungskameras zum Tatzeitpunkt des Nemzow-Mordes ausgeschaltet gewesen.

Ungeklärter Mord: Die Erschiessung des Kremlkritikers Boris Nemzow mobilisiert Tausende Leute zu einem Trauermarsch in Moskau. (1. März 2015)
Ungeklärter Mord: Die Erschiessung des Kremlkritikers Boris Nemzow mobilisiert Tausende Leute zu einem Trauermarsch in Moskau. (1. März 2015)
Sergei Karpukhin, Reuters

Aufgrund der Nähe zum Kreml befinden sich rund um den Tatort des Nemzow-Mordes Dutzende Überwachungskameras. Das russische Fernsehen veröffentlichte am Sonntag die Aufnahme einer dieser Kameras – die Bilder zeigen das Attentat allerdings von der gegenüberliegenden Brückenseite, und ein LKW verdeckt die entscheidende Szene.

Die restlichen Überwachungskameras, die eine freie Sicht gehabt haben müssten, lieferten jedoch keine verwertbaren Aufnahmen. Gemäss der Moskauer Tageszeitung «Kommersant» zeigen sie die Szene nur verschwommen oder waren wegen Reparaturarbeiten gar ausgeschaltet. Derzeit finden Restaurationsarbeiten an den grossen Kremltürmen statt.

Moskau weist Medienberichte zurück

Moskau wies Medienberichte zurück, nach denen zahlreiche Kameras der Videoüberwachung zur Tatzeit abgeschaltet gewesen seien. Alle funktionierten, heisst es. Die Aufnahmen würden ausgewertet.

Nach dem Mord an dem russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow ist Medien zufolge ein Experte für Verbrechen mit nationalistischem Hintergrund zum Sonderermittler ernannt worden. Mit dem Fall befasse sich der General Igor Krasnow, berichteten russische Medien.

Krasnow leitet demnach eine zwölfköpfige Sonderkommission. Der General hatte auch die politischen Morde an dem kremlkritischen Anwalt Stanislaw Markelow und der Journalistin Anastasia Baburowa aufgeklärt. Sie waren 2009 erschossen worden.

Lawrow verurteilt Instrumentalisierung des Mordes

Russlands Aussenminister Sergei Lawrow warnte derweil davor, den Mord an Nemzow für politische Ziele zu benutzen. Solche Versuche seien «verachtenswert», sagte Lawrow am Montag vor dem UNO-Menschenrechtsrat in Genf.

«Es geht um ein abscheuliches Verbrechen, das vollständig im Rahmen der Gesetze untersucht wird, um sicherzustellen, dass die Täter vor Gericht kommen», sagte der Minister.

Präsident Wladimir Putin persönlich überwache die Ermittlungen. Ohne einzelne Staaten zu nennen, warnte Lawrow auch davor, «die noblen Prinzipien der Menschenrechte für die Durchsetzung politischer und wirtschaftlicher Ziele zu missbrauchen».

Lebensgefährtin Nemzows festgehalten

Die Lebensgefährtin des ermordeten russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow wird gegen ihren Willen in Moskau festgehalten. «Die Ermittler befragen mich und keiner sagt mir, wann ich freigelassen werde und warum sie mich hier festhalten», sagte die Ukrainerin Ganna Durizka dem russischen Oppositionssender Doschd. «Ich habe das Recht, Russland zu verlassen, ich bin keine Verdächtige», sagte die 23-Jährige.

Sie sei lediglich Zeugin des Mordes gewesen und habe der Polizei bereits alles gesagt, was sie wisse. Durizka war dabei, als Nemzow am Freitagabend in unmittelbarer Nähe des Kreml von einem Unbekannten in den Rücken geschossen wurde. Sie wisse nicht, woher der Täter gekommen sei, «er war hinter mir». Sie befinde sich zurzeit in der Wohnung eines Freundes in Moskau, die sie nicht verlassen dürfe. Sie fühle sich schlecht und wolle nur noch nach Hause.

SDA/pst

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