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Belagerte EZB, Banken und Modegeschäfte

In Frankfurt haben Protestierende die Europäische Zentralbank «umzingelt und abgeriegelt». Danach zogen sie weiter. Die Veranstalter erwarten für Samstag bis zu 20'000 Demonstranten.

Brenzlig wurde es einzig als einige Demonstranten versuchten, die Absperrungen zur EZB zu durchbrechen: Polizisten halten Demonstranten vor der EZB in Frankfurt in Schach. (31. Mai 2013)
Brenzlig wurde es einzig als einige Demonstranten versuchten, die Absperrungen zur EZB zu durchbrechen: Polizisten halten Demonstranten vor der EZB in Frankfurt in Schach. (31. Mai 2013)
Reuters
Die Polizei verhinderte ein Vordringen der Demonstranten zur EZB. (31. Mai 2013)
Die Polizei verhinderte ein Vordringen der Demonstranten zur EZB. (31. Mai 2013)
Reuters
Eskortiert von Polizisten marschierten die Demonstranten auch durch ein Terminal im Frankfurter Flughafen.
Eskortiert von Polizisten marschierten die Demonstranten auch durch ein Terminal im Frankfurter Flughafen.
Keystone
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Auch vom strömenden Regen liessen sich hunderte Kapitalismuskritiker nicht davon abbringen, vor die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main zu ziehen. Lautstark protestierten sie am Freitagmorgen vor den Absperrgittern rund um die EZB vor allem gegen die EU-Krisenpolitik. Ein Grossaufgebot der Polizei sicherte die Zentralbank dabei ab.

Direkt vor die Eingangstüren der EZB kamen die Demonstranten gar nicht, nachdem sie am frühen Morgen von ihrem bereits am Mittwoch eingerichteten Camp abseits der Innenstadt zur ungeliebten Zentralbank gezogen waren. Die Strassen rund um die Bank waren bereits lange vorher weiträumig abgesperrt, eine nahe gelegene U-Bahn-Station war geschlossen.

Hunderte Polizisten standen an den Absperrgittern und in den Strassenzügen im Frankfurter Bankenviertel verteilt. Als es vereinzelte Versuche gab, die Absperrungen zu durchbrechen, verhinderten die Einsatzkräfte das. Zum Teil kam dabei auch Pfefferspray zum Einsatz.

«Wir haben unser Ziel erreicht»

Doch der Protest verlief weitgehend friedlich. Die Demonstranten skandierten antikapitalistische Parolen, hielten Transparente wie «Bankraub statt Landraub» hoch oder rüttelten hin und wieder an den Absperrgittern. Manche kamen als Clowns verkleidet, einzelne vermummten sich oder versteckten sich hinter Masken. Andere spielten mit grossen Plastikbällen im Frankfurter Dauerregen.

Die Aktivisten zeigten sich zufrieden mit ihrem Protest. «Wir haben unser Ziel erreicht und den Eurotower wie angekündigt mit Massenblockaden dicht gemacht», erklärte Blockupy-Sprecher Roland Süss nach der Aktion. Die EZB symbolisiere das europäische Krisenmanagement zugunsten der Grossbanken und sei ein Akteur der «Verarmungspolitik, die Menschen vor allem in den südeuropäischen Ländern ihre Existenz raubt».

Gegen Nahrungsmittelspekulation

Die Proteste waren auch international. So standen am Rande der EZB-Blockade am Freitagmorgen etwa Jesus und Pablo, zwei Spanier, die seit einiger Zeit in Deutschland leben. Sie sehen die Frankfurter Blockupy-Tage auch als Zeichen an Demonstranten in ihre Heimat. Die Spanier merkten so, dass auch im reichen Europa ihr Protest gegen die Sparpolitik geteilt werde, sagt Jesus. «Deutschland ist nicht nur Frau Merkel», meint der junge Andalusier mit Blick auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die bei vielen Spaniern nicht sonderlich beliebt ist.

Nach der EZB-Blockade zogen die Demonstranten weiter durch die Stadt. Mehrere hundert Menschen protestierten etwa vor der Deutschen Bank gegen Nahrungsmittelspekulationen. Sie trommelten dabei unter anderem auf leeren Töpfen, die symbolisch für den Hunger auf der Welt standen. Am Frankfurter Flughafen richtete sich der Protest gegen die Abschiebung von Flüchtlingen.

Proteste vor Modegeschäften

Und auf der Einkaufsmeile Zeil im Zentrum Frankfurts wollten sie unter anderem auf die Produktionsbedingungen in der Textilbranche hinweisen und blockierten dazu verschiedene Geschäfte, die zumindest zeitweise ihre Türen schlossen oder gleich die Gitter davor herunterliessen.

Die Blockupy-Organisatoren werteten ihr Aktionstag als Erfolg. «Wir haben mit entschiedenen, kämpferischen Aktionen deutlich gemacht, dass wir Nein sagen zur herrschenden Politik des globalen Hungers, zur Ausbeutung von Menschen und Naturressourcen», erklärte Blockupy-Sprecherin Ani Diesselmann. Am Samstag wollen sie mit einer Grossdemo, bei der rund 20'000 Menschen erwartet werden, ein weiteres Zeichen setzen.

AFP/mrs/rub

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