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Aufruhr in spanischem Badeort

In Südspanien kommt es nach dem Tod eines Senegalesen im Immigrantenviertel einer Kleinstadt zu massiven Ausschreitungen. «Roquetas brennt», titeln spanische Zeitungen.

Am Tag werden die Scherben zusammengekehrt. In der Nacht liefern sich Polizei und afrikanische Einwanderer heftige Strassenschlachten. In der südspanischen Kleinstadt Roquetas de Mar ist es mit dem Frieden vorbei, seit ein 28-jähriger Immigrant aus Senegal, verheiratet und Vater zweier Kinder, auf der Strasse niedergestochen wurde und verblutete. Als mutmasslicher Täter wird ein spanischer Drogendealer gesucht, der nach der Messerattacke im Armen- und Einwandererviertel «200 Viviendas» flüchtete. «Roquetas brennt», titeln spanische Zeitungen. Russgeschwärzte Hausfassaden, ausgebrannte Autos, umgestürzte Abfallcontainer, eingeschlagene Fensterscheiben, zerstörte Strassenlampen – nach mehreren Nächten Strassenkrieg sieht es in Roquetas heruntergekommenem Problemviertel noch schlimmer aus. Auch wenn diese Elendssiedlung vor vierzig Jahren auf den bescheidenen Namen «200 Wohnungen» getauft wurde, hausen hier heute gut 8000 Menschen. Die meisten sind Einwanderer aus Afrika, Osteuropa und Lateinamerika, von denen viele als Erntehelfer arbeiten. Auch viele Angehörige der Roma-Volksgruppe, in Spanien «Gitanos» genannt, leben hier.

Der konservative Bürgermeister Gabriel Amat Ayllon bemüht sich, den Aufruhr in der Stadt in Spaniens Gemüseregion Almería herunterzuspielen. In seinem Badeort, in dem mehr als 70'000 Menschen leben, gebe es «keinen Ausbruch» von Fremdenfeindlichkeit; die Bluttat sei eine «Einzeltat».

«Ein Viertel wie ein Misthaufen»

Zugleich fordert er die sozialdemokratische Regierung auf, die Immigration nach Spanien besser zu kontrollieren und zu steuern. In Roquetas de Mar liegt die Ausländerquote bei etwa 25 Prozent, im ganzen Land durchschnittlich bei 10 Prozent. Auch im Küstenort Roquetas kamen diesen Sommer afrikanische Armutsflüchtlinge an, die per Boot das Mittelmeer überquert hatten.

Die Einwandererorganisation Almería Acoge bezeichnet Roquetas Armenviertel als «Ghetto» und fordert eine bessere Integrationspolitik: «Wenn man zulässt, dass ein Viertel herunterkommt und sich dort Randgruppen, Arbeitslose und kaputte Familien konzentrieren, muss es Konflikte geben.» Ein afrikanischer Freund des ermordeten Senegalesen schimpft: «Dieses Viertel ist ein Misthaufen. Aber wir sind keine Tiere, keine Sklaven. Wir kommen, um zu arbeiten.» Er erzählt von «Drogen und Waffen», die in dem Viertel verhökert werden. Angst gehe um. Sogar Polizei und Sanitäter meiden das Problemviertel, heisst es.

Akt von Selbstjustiz

Vielleicht dauerte es deswegen auch ziemlich lange, angeblich «mehr als eine Stunde», bis nach der Bluttat Polizei und Krankenwagen anrückten. Dem Senegalesen Usuman, der seit vier Jahren in Spanien war, Papiere hatte und sich sein Geld auf den Gemüseplantagen verdiente, war da nicht mehr zu helfen. Hunderte Schwarzafrikaner bewarfen die Polizisten darauf mit Steinen.

Später zündeten sie in einem Akt von Selbstjustiz jenes Gebäude an, in dem der mutmassliche spanische Täter, offenbar ein bekannter Drogenhändler, der den «Gitanos» zugerechnet wird, verschwunden war. Die Polizei schlug mit Knüppeln, Tränengasgranaten und Gummigeschossen zurück. «Wir wollen Gerechtigkeit», sagt Daniel Serifo, Sprecher einer Afrikaner-Bürgerbewegung in Roquetas. «Und wir wollen, dass die Menschen sehen, was hier im Viertel wirklich los ist.»

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