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Athen hofft auf Geld aus Peking – und Brüssel

Regierungschef Alexis Tsipras wirbt für stärkere Wirtschaftsbeziehungen mit China. Derweil erwartet Europa heute die vielleicht entscheidende Runde im Verhandlungspoker.

«Strategische Zusammenarbeit»: Alexis Tsipras, Griechenlands Ministerpräsident, applaudiert einem chinesischen Admiral. (19. Februar 2015)
«Strategische Zusammenarbeit»: Alexis Tsipras, Griechenlands Ministerpräsident, applaudiert einem chinesischen Admiral. (19. Februar 2015)
Keystone

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras hat das Einlaufen einer chinesischen Fregatte in den Hafen von Piräus genutzt, um für eine «Verstärkung der Wirtschaftsbeziehungen» mit Peking zu werben. Er rief zu mehr Investitionen aus Fernost auf.

Umgeben von zahlreichen chinesischen Offiziellen sicherte er Peking seine Unterstützung für Investitionen zu. Tsipras trat damit Befürchtungen entgegen, vor allem chinesische Konzerne könnten zu den Leidtragenden gehören, wenn seine Regierung die mit den Gläubigern vereinbarten Privatisierungen tatsächlich abbremsen wird.

China will griechische Privatisierung

Für Unruhe hatte in Peking vor allem die Ankündigung gesorgt, die Privatisierung des Hafens von Piräus werde auf Eis gelegt. Das chinesische Konglomerat Cosco will nämlich grosse Teile der öffentlichen Hafengesellschaft übernehmen.

Tsipras sagte, die «strategische Zusammenarbeit» zwischen Griechenland und China habe eine solide Basis und vielversprechende Perspektiven.

Lippenbekenntnis?

So solle Piräus zu einem der wichtigsten Umschlagplätze der Welt werden, wozu chinesische Firmen gebraucht würden, sagte Tsipras. Griechenland sei «das wichtigste Einfallstor» für chinesische Waren, die über den Seeweg nach Europa gelangen. Auch in Kultur und Tourismus solle die Kooperation vertieft werden.

Seine Rede beim Empfang der Fregatte der 18. Flotte erinnerte stark an Reden, die Tsipras' konservativer Vorgänger Antonis Samaras gehalten hat. Beobachter schliessen aber auch nicht aus, dass sich der neue Regierungschef tatsächlich stärker Partnern wie China oder auch Russland zuwendet.

Spannung in Brüssel steigt

Derweil geht das griechische Schuldendrama heute in die vielleicht entscheidende Verhandlungsrunde. Bei der Sondersitzung wollen die Finanzminister der Eurozone in Brüssel einen Ausweg aus der verfahrenen Lage finden.

Am Vortag war Athen mit seinem Lösungsvorschlag bei Deutschland abgeblitzt. Das Bundesfinanzministerium wies den griechischen Antrag auf eine Verlängerung der Hilfskredite um weitere sechs Monate ohne künftige Einhaltung von Sparauflagen als nicht substanziell zurück.

Im Anschluss telefonierte Tsipras am Abend 50 Minuten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zudem beriet sich der griechische Regierungschef telefonisch mit Frankreichs Präsident François Hollande.

Das bisherige Rettungsprogramm läuft Ende Februar aus. Ohne frisches Geld droht Griechenland wohl schon wenig später die Zahlungsunfähigkeit. In letzter Konsequenz könnte Griechenland ohne eine Einigung mit den Euro-Partnern das Ausscheiden aus der Gemeinschaftswährung drohen.

SDA/chk

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