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«Als erstes hole ich meinen Sohn vom Kindergarten ab»

Das Landgericht Hannover hat den früheren deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff in seinem Korruptionsprozess freigesprochen. Ihm steht eine Entschädigung zu.

Erleichtert: Christian Wullf im Gericht in Hannover. (27. Februar 2014)
Erleichtert: Christian Wullf im Gericht in Hannover. (27. Februar 2014)
AFP

Christian Wulff hat erleichtert auf den Ausgangs seines Strafverfahrens reagiert. «Nun kann ich mich wieder der Zukunft zuwenden», sagte Wulff , nachdem ihn das Landgericht Hannover freigesprochen hat. Er wolle sich künftig verstärkt um jene Themen kümmern, «die mir immer am Herzen gelegen haben». Das Urteil müsse er erst noch auf sich «wirken lassen». Als erstes wolle er nun seinen Sohn und seine Tochter vom Kindergarten abholen, kündigte Wulff an. Sie würden «ihren Vater etwas erleichterter erleben», als das in den vergangenen beiden Jahren der Fall gewesen sei.

Zwei Jahre nach dem Rücktritt als Staatsoberhaupt wurde Wulff vom Vorwurf der Vorteilsnahme entlastet. «Der Angeklagte Wulff ist freigesprochen», sagte der Vorsitzende Richter Frank Rosenow bei der Urteilsverkündung in Hannover. Dem früheren Präsidenten stehe «für die erlittenen Durchsuchungen» eine Entschädigung zu. Rosenow hatte während des dreimonatigen Prozesses mehrfach zu erkennen gegeben, dass er nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugt ist.

Die Staatsanwaltschaft hatte Wulff vorgeworfen, er habe sich 2008 als Ministerpräsident des Bundeslandes Niedersachsen vom mitangeklagten Filmfinancier David Groenewold wissentlich einen Teil der Kosten für einen Besuch des Münchner Oktoberfestes bezahlen lassen. Konkret ging es um etwa 720 Euro für Hotel, Essen und Babysitter.

Korruptionsvorwürfe bestritten

Im Gegenzug soll sich Wulff bei der Spitze des Siemens-Konzerns dafür eingesetzt haben, einen Film Groenewolds zu unterstützen. Beide Männer hatten die Korruptionsvorwürfe bestritten. Groenewold wurde am Donnerstag vom Vorwurf der Vorteilsgewährung freigesprochen.

Wulff war im Februar 2012 nach nur 598 Tagen im höchsten Staatsamt zurückgetreten, nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover wegen der Korruptionsvorwürfe die Aufhebung seiner Immunität beantragt hatte. Die Wulff-Affäre hatte im Dezember 2011 mit Presseberichten über eine private Hauskauffinanzierung ihren Ausgang genommen.

Mitte 2010 war Wulff im Alter von 51 Jahren zum damals jüngsten Staatsoberhaupt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden. Einen Monat nach seinem Rücktritt wählte die Bundesversammlung 2012 Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten.

SDA/ldc

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