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«Adolf Hitler verherrlichte den Islam»

Sein Judenhass war «schwer zu übertreffen»: Amin al-Husseini, der Grossmufti von Jerusalem, bei einem Auftritt vor bosnischen Freiwilligen der Waffen-SS im November 1943.

BaZ: Herr Motadel, in den Jahren 1941 und 1942, so schreiben Sie, habe das nationalsozialistische Deutschland damit begonnen, so etwas wie eine aktive Islampolitik zu betreiben. Was passierte da und warum?

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Anders als Deutschland hatten Frankreich und Grossbritannien Kolonien. So gesehen mussten Muslime den Nazis wie natürliche Verbündete erscheinen, getreu dem Motto «Der Feind meines Feindes ist mein Freund».

Einige führende Nazis scheinen vom Islam regelrecht begeistert gewesen zu sein: Heinrich Himmler sprach von einer «Heldenreligion», die «für Soldaten praktisch und sympathisch» sei. Da wird eine merkwürdige Mischung aus romantischen Ideen und Zynismus sichtbar. Was überwog?

Im kleinen Kreis schwärmte Hitler ja auch vom Wein und den Jungfrauen, die den Muslims für die Zeit nach dem Tod versprochen würden. Der Islam, so sagte er, könnte selbst ihn noch für die Religion begeistern. Beeinflussten solche Gefühle seine Politik?

Aus welchen Quellen schöpfte Hitler sein Wissen über den Islam?

Vielleicht prägte ihn ja Karl May.

Der Judenhass der Nazis war ja ein rassisch begründeter. Wie liess sich das mit einer Sympathie für die Araber vereinbaren, die von Rassetheoretikern ebenfalls als Semiten betrachtet wurden?

Die Muslime vom Balkan waren ja ethnische Slawen.

Heute ist Judenhass in der arabischen Welt weit verbreitet. Wie war das damals?

Interessierte das die Araber ausserhalb Palästinas?

Lässt sich der heutige Judenhass in der arabischen Welt auf die Propaganda der Nazis zurückführen?

Ein echter Antisemit war sicher Mohammed Amin al-Husseini, der Grossmufti von Jerusalem.

Die Alliierten, so schreiben Sie, seien in ihrer Islampolitik wesentlich erfolgreicher gewesen als die Deutschen, sowohl auf westlicher wie auch auf sowjetischer Seite. Warum?

Für den sowjetischen Diktator Josef Stalin bedeutete dies aber, dass er seine Politik komplett ändern musste.

Die Obrigkeit verfolgte die Leute als Muslime, also definierten sie sich auch als solche.

Der Erfolg der deutschen Islampolitik blieb relativ begrenzt. Warum?

Die Motive, die Muslime in die deutsche Armee eintreten liessen, waren vielfältig, doch der Opportunismus dürfte überwogen haben.

Kann man sagen, dass die Deutschen bei ihren Bemühungen auf dem Balkan und im Kaukasus relativ erfolgreich waren, in Nordafrika dagegen weniger?

In Ihrem Buch schlagen Sie den Bogen zum Kalten Krieg: Die Instrumentalisierung der Muslime und des Islam setzte sich nach 1945 fort.

Lassen Sie uns zum Schluss einen Blick auf das ganz grosse Bild versuchen: Eine allgemeine Aussage, was das Verhalten von Muslimen im Krieg angeht, erscheint mir nach der Lektüre Ihres Buchs nicht möglich zu sein.