Unternehmen stellen Weichen für die Drachme

Kommt es zu einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone, würde die alte Währung wieder eingeführt. Der deutsche Touristikkonzern TUI rüstet sich bereits jetzt gegen damit verbundene Risiken.

Verluste mit dem Währungswechsel: Die Einführung des Drachme ist in Griechenland kein Tabu mehr.

Verluste mit dem Währungswechsel: Die Einführung des Drachme ist in Griechenland kein Tabu mehr.

(Bild: Keystone)

Angesichts der anhaltenden Krise in Griechenland stellt der Touristikkonzern TUI bereits Weichen für den Fall einer Rückkehr des Landes zur Drachme. Wie die «Bild»-Zeitung heute berichtete, forderte TUI griechische Hoteliers auf, einen Vertrag zur Absicherung gegen Währungsrisiken zu unterzeichnen. «Wenn der Euro nicht mehr die Währung sein sollte, ist TUI berechtigt, die Geldsumme in der neuen Währung zu bezahlen», heisst es demnach in dem Text zur Begleichung künftiger Hotel-Rechnungen in Griechenland.

Hintergrund ist die Befürchtung, dass im Fall eines Austritts aus der Euro-Zone, die dann eigenständige griechische Währung stark an Wert verlieren dürfte. «Wir müssen uns gegen solche Währungsrisiken absichern. Es gibt mehr als eine theoretische Möglichkeit, dass Griechenland aus der Euro-Zone aussteigt», sagte TUI-Sprecher Robin Zimmermann dazu der «Bild»-Zeitung. Griechische Hoteliers reagierten demnach empört. «Kein Hotelier wird das machen», wandte sich der Präsident des griechischen Tourismusverbandes, Andreas Andreadis, gegen die Aufforderung von TUI an die Hotelbesitzer, den ihnen zugesandten Vertragstext zu unterzeichnen.

Papandreou trifft sich mit Papouilas

Nach dem gewonnenen Vertrauensvotum will sich der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Samstagvormittag (1100 MEZ) mit Staatspräsident Karolos Papoulias treffen. Papandreou will ihn über seine Absicht informieren, eine neue Regierung zu bilden, die von mehreren Parteien unterstützt wird.

Die Sondierungen sollen sofort beginnen. Die wichtigste Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) lehnte eine Beteiligung an der geplanten neuen Regierung ab. Die einzige Lösung seien Neuwahlen sagte Parteichef Antonis Samaras nach der Vertrauensabstimmung.

Verlängerung der Macht

Papandreou hatte in der Nacht auf heute nach einer mehrstündigen emotional geladenen Debatte im griechischen Parlament das Vertrauen der Abgeordneten erhalten und blieb damit vorerst an der Macht. Faktisch steht Griechenland damit nach der Vertrauensabstimmung da, wo es am Tag zuvor stand: Vor dem Abgrund, urteilte die griechische Presse übereinstimmend am Samstag.

Mitarbeiter von Oppositionschef Samaras sagten am Samstag, er habe einen Vorschlag für die Bildung einer Expertenregierung gemacht, die nur für wenige Wochen das Land aus der Krise führen solle und danach sollten Neuwahlen stattfinden.

Papandreou habe gar nicht darüber verhandelt, hiess es. «Wir haben praktisch eine neue verschleierte Regierung Papandreou», sagte ein enger Mitarbeiter von Samaras.

mrs/ami/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt