Schweizer in Donezk getötet

Das Zentrum der ostukrainischen Grossstadt Donezk ist erstmals seit dem Waffenstillstand wieder heftig unter Beschuss. Dabei starb auch ein IKRK-Mitarbeiter aus der Schweiz.

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Das Zentrum der Separatistenhochburg Donezk ist wieder unter starkes Artilleriefeuer geraten. Eine Granate schlug unweit des IKRK-Büros ein. Ein Mitarbeiter wurde dabei getötet. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bestätigte per Twitter den Tod eines Mitarbeiters. Über die Nationalität des getöteten IKRK-Manns machte die Organisation keine Angaben. Gemäss den Sicherheitskräften in Donezk handelte es sich um einen 38-jährigen Schweizer.

Der IKRK-Sitz in der Stadt ist in einem dreistöckigen Gebäude untergebracht, dass weniger als ein Kilometer vom Hauptquartier der Staatssicherheit entfernt liegt und seit April von den Rebellen besetzt ist.

Auf der Strasse vor dem Gebäude hatte es neben der Leiche des IKRK-Mitarbeiters einen Krater und Blutspuren. Fenster in der Umgebung waren geborsten, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Nach einer Weile sei ein Auto vorgefahren, zwei Männer hätten die Leiche auf eine Bahre gelegt und seien mit ihr weggefahren.

Wer hat geschossen?

Von wem die Granate abgeschossen wurde, blieb am Abend unklar. Von russischen Nachrichtenagenturen zitierte Rebellen machten die ukrainische Armee für den Beschuss verantwortlich.

Der ukrainische Aussenminister Pavel Klimkin machte hingegen die Rebellen verantwortlich: «Ich habe nur eine Frage: haben die Terroristen eine Ahnung, was Menschlichkeit ist, wenn sie das IKRK-Büro beschiessen, dessen einziges Ziel die Hilfe für die Menschen ist?»

Einkaufszentrum und Busdepot getroffen

Das Donezker Stadtzentrum war am Donnerstag erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen Rebellen und ukrainischen Truppen vor vier Wochen wieder bombardiert worden. Nach Angaben der prorussischen Verwaltung der Grossstadt wurde unter anderem ein Einkaufszentrum getroffen. Eine weitere Granate sei in ein Busdepot eingeschlagen, aber nicht explodiert, hiess es. Der öffentliche Personennahverkehr wurde ausgesetzt.

Bereits am Vortag waren in Vororten von Donezk nahe dem Flughafen mehrere Geschosse eingeschlagen, die zehn Zivilisten töteten. Rund um den Flughafen wird seit Wochenbeginn wieder erbittert gekämpft.

Die ukrainische Regierung und die prorussischen Separatisten hatten am 5. September in der weissrussischen Hauptstadt Minsk einen Waffenstillstand vereinbart, um die monatelangen Kampfhandlungen zu beenden.

Hauptbestandteil des Abkommens ist der Rückzug aller Kampfeinheiten auf jeweils mindestens 15 Kilometer hinter die Frontlinie. Die so entstehende 30 Kilometer breite Pufferzone soll unter die Aufsicht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gestellt werden.

rub/sda

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