Sarkozy überlässt Afrika nicht den Chinesen

Der französische Staatspräsident hat 40 Staats- und Regierungschef aus dem schwarzen Kontinent eingeladen. Und Sarkozy hat dabei ein klares Ziel vor Augen.

Auftakt zum Afrika-Gipfel in Nizza: Sarkozy empfängt den Präsidenten Namibias Hifikepunye Lucas Pohamba.

Auftakt zum Afrika-Gipfel in Nizza: Sarkozy empfängt den Präsidenten Namibias Hifikepunye Lucas Pohamba.

Bei dem zweitägigen Gipfeltreffen in Nizza geht es ab Montag vor allem um die Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und Afrika. Knapp 40 Staats- und Regierungschef werden zum Gipfel an der Côte d'Azur erwartet. Am Rande des Meetings treffen ausserdem Vertreter von etwa 200 französischen und afrikanischen Unternehmen zusammen. «Wenn dabei auch Aufträge herausspringen, wäre das eine feine Sache», heisst es im Élysée.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will mit Blick auf die häufig komplizierten Beziehungen zu den Ex-Kolonien die Quadratur des Kreises versuchen: «Ich glaube nicht, dass man sich zwischen einer offeneren und einer privilegierten Beziehung entscheiden muss. Ich würde gerne beides miteinander verbinden», betonte er in der Zeitschrift «Les Afriques».

Offener meint wohl, dass Frankreich Afrika nicht mehr als seinen Hinterhof behandelt. Privilegiert soll heissen, dass die dicken Aufträge aus Afrika dennoch an die Franzosen gehen sollte. Es klingt allerdings so unlogisch wie eine Ehe, die gleichzeitig offen und exklusiv sein soll.

Bedingungen auch für China

Offiziell gibt sich Sarkozy angesichts der chinesischen Konkurrenz in Afrika gelassen. «Es ist gut, dass sich mehr und mehr Länder für Afrika interessieren und in Afrika investieren. Konkurrenz ist prima», meint er. Aber es müsse mit gleichen Waffen gekämpft werden, fügte er hinzu.

Im Unterschied zu westlichen Staaten knüpft die chinesische Regierung ihre Entwicklungshilfe für Afrika beispielsweise nicht an Forderungen nach der Achtung der Menschenrechte oder Fortschritte in der Demokratisierung.

Auf dem Gipfel soll nun eine Charta für französische Unternehmen verabschiedet werden, die in Afrika tätig sind. Offen ist, ob sie verpflichtenden oder empfehlenden Charakter haben soll. Sie schreibt unter anderem soziale und ökologische Mindeststandards fest. Zudem sollen die Unternehmen sich verstärkt um die Ausbildung afrikanischer Fachkräfte zu kümmern.

«Man kann durchaus in Afrika Profit machen, aber unter akzeptablen Bedingungen», heisst es im Élysée. Die Charta soll ausserdem den afrikanischen Staaten als Beispiel dienen, damit sie den Chinesen und anderen Partnern ähnliche Bedingungen stellen.

Nicht mehr exklusiv

Ein Gipfel mit fast allen afrikanischen Staats- und Regierungschefs ist immer ein diplomatischer Eiertanz. So konnte Frankreich als Gastgeber schlecht den soeben im Amt bestätigten sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir einladen, da er wegen seiner Mitverantwortung für den Darfur-Konflikt unter internationalem Haftbefehl steht. An seiner Stelle kommt nun ein Minister.

Madagaskar und Zimbabwe bekamen aufgrund der politischen Lage ebenfalls keine Einladung. Ein ursprünglich geplantes Treffen zur Konfliktregion der Grossen Seen wurde unterdessen wieder abgesagt, weil der kongolesische Präsident Joseph Kabila nicht kommt.

Die französische Regierung verabschiedet sich ausserdem von der Tradition, Vertreter seiner ehemaligen Kolonien gesondert im kleinen «Freundeskreis» zu treffen. «Wir machen diese Unterscheidung nicht mehr», heisst es im Élysée. «Heute sind alle unsere Freunde». Das Problem ist nur, dass die afrikanischen Freunde sich längst nicht mehr nur an Frankreich wenden, wenn sie sich für ihre Geschäftspartner entscheiden.

baz.ch/Newsnet

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