Rauchverbot im Auto

Der Kampf gegen das Rauchen wird zusehends verstärkt. Jetzt strebt die EU ein Rauchverbot im Auto an – sofern Kinder mitfahren. Eine Regelung, die anderswo bereits an der Tagesordnung ist.

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Nina Merli@nmerli

«Das Ideal ist ein rauchfreies Europa», sagte EU-Gesundheitskommissar John Dalli im letzten Herbst. Und versprach im kommenden Jahr neue Gesetzespläne zum Thema vorzulegen. Ziel sei «ein komplettes Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen, Verkehrsmitteln und am Arbeitsplatz», denn es gehe nicht nur um die Gesundheit der Besucher, sondern auch der Angestellten.

Nun tritt eine EU-Kommission unter Führung der irischen Gesundheitsexpertin und Politikerin Nessa Childers für ein Rauchverbot in Autos ein, wenn Kinder mit an Bord sind. Es gelte, die Kinder vor den Folgen des Passivrauchens zu schützen.

Dazu gehören etwa Bronchitisanfälle und generell Entzündungen der oberen Atemwege. Aber auch Mittelohrentzündungen sind bei Kindern signifikant häufiger, wenn zu Hause geraucht wird. «Passiv rauchende Kinder weisen eingeschränkte Lungenfunktionen auf, sind anfälliger auf Lungenentzündungen, Asthma und Allergien», sagt Jürg Hurter, Präsident der Stiftung Pro Aere, die unter anderem eng mit Pneumologen arbeitet und sich seit 1977 für den Passivraucherschutz und für Tabakprävention bei Kindern und Jugendlichen einsetzt. Einer gesetzlichen Regelung, wie sie Nessa Childers verlangt, stimmt er zu: «Wenn die Vernunft nicht überhandnimmt, muss man die Sache halt gesetzlich regeln.»

Auto-Rauchverbot in Australien bereits Realität

Was in Europa erst zur Debatte steht, ist in gewissen Bundesstaaten Australiens bereits seit mehreren Jahren an der Tagesordnung. New South Wales (mit der Hauptstadt Sydney) geht in Australien am härtesten gegen Raucher vor und hat bereits seit dem 1. Juli 2009 die Raucherverbote verschärft. Das Rauchen im Auto in Anwesenheit eines Kindes unter 16 Jahren wird mit einer Busse von 250 Dollar bestraft.

Und ab Januar nächsten Jahres soll das Rauchergesetz noch weiter verschärft werden, das hat kürzlich die australische Gesundheitsministerin Nicola Roxon angekündigt. Die Regierung wolle ab 2012 Tabakkonzernen verbieten, ihre Marken-Logos auf Zigarettenschachteln abzudrucken. Stattdessen sollen einheitliche Schachteln mit abstossenden Bildern mit verfaulten Zähnen und erkrankten Lungen produziert werden. Die britische Regierung denkt über ähnliche Pläne nach.

Volksinitiative zum Schutz vor Passivrauchen

Die Lungenliga Schweiz «begrüsst es aus gesundheitlicher Sicht selbstverständlich, wenn in Gegenwart von Kindern nicht geraucht wird», so Cornelis Kooijman, doch «fordern wir keine derartigen Gesetze», denn das Auto sei, genauso wie das eigene Zuhause, ein privater Raum und somit Sache jedes Einzelnen. Im Kampf gegen Passivrauchen sieht die Lungenliga allerdings nach wie vor Handlungsbedarf. Aus diesem Grund reichte sie im Mai letzten Jahres die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» ein. Diese verlangt, dass alle Innenräume, die als Arbeitsplätze dienen oder öffentlich zugänglich sind, in der ganzen Schweiz rauchfrei werden. Unbediente Fumoirs wären weiterhin möglich, solange sie nicht als Arbeitsplatz dienen.

Der Bundesrat hat allerdings die Initiative in einer ersten Instanz ohne Gegenvorschlag abgelehnt. Nun stehen dem Parlament rund 18 Monate für die Behandlung zur Verfügung. Die Volksabstimmung ist somit aufgrund der vorgegebenen zeitlichen Abläufe erst in einem Zeithorizont von 2012–2013 realistisch.

baz.ch/Newsnet

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