NSA belauschte auch Berlusconi

Neben dem Kabinett des ehemaligen Ministerpräsidenten soll auch ein Gespräch mit Benjamin Netanyahu aufgezeichnet worden sein.

Sieht sich als Opfer einer US-Verschwörung: Der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi. (20. Januar 2016)

Sieht sich als Opfer einer US-Verschwörung: Der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi. (20. Januar 2016)

(Bild: Keystone Angelo Carconi)

Wie die Römer Tageszeitung «La Repubblica» am Dienstag unter Berufung auf neue Dokumente der Enthüllungsplattform Wikileaks meldete, war auch die Regierung des bis November 2011 in Italien amtierenden Silvio Berlusconi von den Lauschangriffen betroffen.

Laut Wikileaks wurden nicht nur Telefone Berlusconis, sondern auch jene seines Beraters Valentino Valentini und des Experten für die nationale Sicherheit, Bruno Archi, belauscht.

Unter anderem sollen Gespräche zwischen Berlusconi und dem israelischen Premier Benjamin Netanyahu aufgezeichnet worden sein. Die Aufnahmen seien auf den US-Geheimdienst NSA zurückzuführen.

Verschwörung gegen Berlusconi?

Die Enthüllungen sorgten in Italien für einen Eklat. Berlusconis rechtskonservative Partei Forza Italia rief Premier Matteo Renzi auf, Erklärungen von den USA zu verlangen und eine Untersuchungskommission zum Fall einzurichten.

Laut Forza Italia könnten die USA ein Komplott gegen Berlusconi geschmiedet haben, was den damaligen Premier im Herbst 2011 auf dem Höhepunkt der Eurokrise zum Rücktritt gezwungen hatte.

Forza Italia bezieht sich unter anderem auf Auszüge aus dem Essay «Stresstest» des früheren US-Finanzministers Timothy Geithner. Darin erzählt Geithner, dass einige EU-Funktionäre auf dem Höhepunkt einer dramatischen Wirtschaftskrise, die den Euro an den Rand des Abgrunds geführt hatte, zu ihm Kontakt aufgenommen und ihm einen Plan zum Sturz der Regierung Berlusconi vorgeschlagen hätten.

Geithner erzählte, er habe den Vorschlag abgelehnt und dagegen einen Pakt mit EZB-Präsident Mario Draghi zur Rettung des Euro und der globalen Wirtschaft abgeschlossen. Berlusconi sei jedoch trotzdem zum Rücktritt gezwungen worden.

mch/sda

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